Schweigekomplott rund um Mörderhaus in Wien-Hernals

GudenusIn einem Haus im Wiener Bezirk Hernals gerieten am Montag vergangener Woche zwei junge Männer in einer Streit, der in einer Messerstecherei gipfelte. Einer der beiden musste ins Spital, wie der Kurier schreibt. Laut dem Wiener FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus ist das eine krasse Untertreibung, der Mann wurde lebensgefährlich verletzt, berichtete Gudenus in einer Pressekonferenz und offenbarte zugleich die Hintergründe dieses Verbrechens.

Johann Gudenus

Johann Gudenus

Johann Gudenus machte das "Mörderhaus" in einer
Pressekonferenz bekannt. Der ORF schieg dazu.
Foto: Unzensuriert.at

Die Messerstecherei spielte sich nämlich nicht in gewöhnlicher Umgebung ab, sondern in einem „Mörderhaus“, wie der FPÖ-Politiker es nennt. "Hinter dem Rücken der Öffentlichkeit wurde in der Gschwandnergasse 54 in Hernals eine Wohngemeinschaft für geistig abnorme Rechtsbrecher eingerichtet. Davon soll keiner erfahren", so Gudenus. Daher habe es nach der Messerstecherei einen „Maulkorb-Erlass durch die betroffenen Ministerien“ gegeben. "Gemeingefährliche Menschen werden auf die Wienerinnen, Wiener und deren Kinder losgelassen – und das ohne deren Wissen. Die Menschen in dieser Einrichtung sind in der Regel schwerste Gewalt- oder Sexualstraftäter, ja sogar Mörder. Das ist
unverantwortlich“, beklagt Gudenus.

Tatsächlich dürfte der Maulkorb-Erlass gewirkt haben. Das ORF-Landesstudio Wien war mit einem Kamerateam bei der Pressekonferenz, brachte aber in der abendlichen Wien-heute-Sendung am 14. Juli keine Sekunde davon. Das brachte Wiens FP-Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein in Rage. "Es ist unfassbar, wie die Roten Paul Tesarek (Chefredakteur des Wiener Landesstudios, Anm.) an der Leine herumführen dürfen", empörte er sich und folgerte daraus: "Der ORF braucht richtige Journalisten, nicht willfährige Parteisoldaten. Die Tage des Herrn Tesarek sind gezählt."

ORF in heller Aufregung

Diese Kritik wiederum brachte den ORF auf die Palme. „FP bedroht Journalisten“ betitelte der Redakteursrat seine Aussendung. Ein Mandatar, der einen Journalisten offen bedrohe, sei in einer demokratischen Gesellschaft untragbar. „Da sind Konsequenzen gefordert.“ Und Generaldirektor Alexander Wrabetz schloss sich den Redakteuren an: "Die in einer heutigen FPÖ-Aussendung gewählten Worte überschreiten nicht nur bei weitem jedes Maß an zulässiger Kritik, sondern stellen mit der unverhohlenen Drohung eine neue erschreckende Dimension der versuchten Einflussnahme auf journalistische Arbeit dar.“

Alexander Wrabetz

Alexander Wrabetz

ORF-General Alexander Wrabetz erachtet es als normal, dass die
Enthüllungen den FPÖ totgeschwiegen werden.
Foto: Unzensuriert

Tenor der beiden ORF-Aussendungen: Es entscheiden immer noch die Redakteure, „was eine Geschichte ist und was keine ist“. Es sei, so wurde der Eindruck erzeugt, völlig alltäglich ein Fernsehteam auszuschicken und das Material dann ungesendet zu archivieren. Das ist natürlich Unfug. Gerade in den Landesstudios ist es Usus, die Spitzenpolitiker (insbesondere die Regierenden, aber auch die der Opposition) mit ihren politischen Botschaften auf Sendung zu bringen. Und selbst wenn man den Wahrheitsgehalt der Gudenus-Aussagen bezweifelt, so ist alleine die Behauptung, es gebe in Wien ohne Wissen der Bevölkerung ein Haus, in dem geistig abnorme Schwerverbrecher auf die Haftentlassung vorbereitet werden, "eine Geschichte". Selbstverständlich wäre es dem ORF unbenommen gewesen, die politisch Verantwortlichen, die Projektbetreuer, Anrainer und wen auch immer zu Wort kommen zu lassen, aber das war offenbar nicht gewünscht. Die Verteidigung der ORF-Leute ist eine glatte Schutzbehauptung. Wer durch und durch rot ist, verändert seine Gesichtsfarbe auch beim Lügen nicht.

Verantwortliche ertappt: Einrichtung wird abgesiedelt

Immerhin hat es das „Mörderhaus“ über den Umweg des Medienskandals doch noch in die Zeitungen geschafft, die davor auch nur äußerst zurückhaltend berichtet haben. Einzig der Kurier hatte recherchiert und dabei einige Leute gefunden, die sich für das Projekt aussprachen. Dennoch wird das Haus nun abgesiedelt, wie Gudenus aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will. Den Verantwortlichen ist die Sache nun doch zu heiß geworden, immerhin liegt das Haus zwischen einer Schule und einem Kindergarten „Allein wer will schon ein Haus, von dem so eine enorme Gefahr ausgeht, in seinem Bezirk?“, fragt sich Gudenus und befürchtet, dass die Geheimniskrämerei weitergehen wird, für die er die zuständige Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) verantwortlich macht: „Sie hat bislang verheimlicht, dass eine Anstalt, in der geistig abnorme Rechtsbrecher, schwerste Gewalt- und Sexualstraftäter, ja sogar Mörder wie jener Mann, der seine Mutter wegen eines Frühstücks-Eis niedergemetzelt und seine Schwester schwer verletzt hat, frei herumlaufen und sich mit Drogen versorgen dürfen.“

Tatsächlich klingt selbst die offizielle Projektbeschreibung des Vereins WOBES wenig vertrauenserweckend für potentielle Nachbarn:
Auf Initiative des Bundesministeriums für Justiz führt der Verein WOBES seit etwa 15 Jahren  betreute Wohnplätze für psychisch kranke und beeinträchtigte Menschen im Maßnahmenvollzug.  In Zusammenarbeit mit österreichischen Justizanstalten und Gerichten erhöhen wir dadurch  deutlich den Resozialisierungserfolg der uns zugewiesenen Zielgruppe und betreuen diese vor allem mit bewährten Methoden. Unser Angebot umfasst hier eine Kombination aus  betreutem Wohnen und regelmäßiger und kontinuierlicher Beschäftigung.
Dass die „bewährten Methoden“ nicht immer von Erfolg gekrönt sind, beweist der blutige Streit letzte Woche. Die Beteiligten waren übrigens 21 und 14 Jahre alt.

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