Mobbing im Rathaus? Bedienstete warf sich vor U-Bahn

Mobbing bei der Gemeinde Wien – ein Dauerthema bei Unzensuriert.at. Jetzt aber wird es dramatisch: Eine Spitzenbeamtin der Wiener Einwanderungsbehörde (MA 35), Mag. Silvia A. (40) , sei regelrecht in den Tod getrieben worden, so die harten Vorwürfe ihrer Kollegenschaft. Sie wurde von einem U1-Zug getötet. 

Tiefe Trauer im Wiener Rathaus – und dazu verzweifelte Mails von Gemeindebediensteten, dass der Mobbingsumpf inzwischen horrende Ausmaße angenommen hätte. „Leider ist es nur in besonders tragischen Fällen so, dass die Sachen tatsächlich auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden,“ schreibt uns eine Personalvertreterin anlässlich des Todesfalls der Referentin der Abteilung Staatsbürgerschaft.

Auch die Kronen Zeitung, die unter dem Titel „Mobbing-Krimi mit Todesfall“ in der Printausgabe und auch online darüber berichtete, habe Briefe von Insidern erhalten, die darin behaupten würden, dass die junge Akademikerin die Mobbing-Attacken gegen ihre Person nicht länger ertragen hätte. Auch die Namen von Tatverdächtigen werden genannt, ebenso die Identität eines zweiten Mobbing-Opfers in der MA 35.

Geschmacklos: Vorfall außerhalb der Dienstzeit

Gegenüber der Kronen Zeitung wird in der Einwanderungsbehörde bestritten, dass es einen Mobbing-Krimi gebe. „Nein, der Tod der Kollegin hat nichts mit Mobbing zu tun,“ sagt die Leiterin der Magistratsabteilung der Zeitung. Es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten. Allerdings sei laut Krone die Frage unbeantwortet geblieben, warum denn bei dieser „guten Stimmung“ gleich ein Dutzend Mitarbeiterinnen aufgrund von Burnout-Symptomen im Krankenstand seien. Nur so viel war zu erfahren: Es sei richtig, dass der Arbeitsanfall extrem gestiegen sei. An Geschmacklosigkeit grenzt die Aussage einer Sprecherin der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) in der Zeitung: „Wir sehen uns das alles sicher genau an. Allerdings passierte der Vorfall außerhalb der Diensttätigkeit der Mitarbeiterin.“ Klingt fast wie: Was geht uns das an? Sie hat sich ja nicht in der Dienstzeit umgebracht!

Integration wichtiger als 65.000 Bedienstete

Passend dazu die Aussagen einer Personalvertreterin, die wohlgemerkt der roten sozialistischen Gewerkschaftsfraktion FSG angehört:
Die personalverantwortlichen Stadträtinnen der Stadt Wien der letzten Jahre haben sich nicht wirklich mit Ruhm bekleckert – das Personal hat eine offensichtlich sehr niedrige Rangstellung. Beginnend bei der unsäglichen Stadträtin Renate Brauner, die ja inzwischen in mehreren Bereichen der Stadtverwaltung ihr KÖNNEN zeigen durfte und darf, über die Stadträtin Sonja Wehsely (deren bemerkenswerteste Aussage bei ihrem Amtsantritt lautete, dass sie sich keinesfalls um irgendwelche Einzelfälle kümmern werde), bis zur heute Verantwortlichen, Sandra Frauenberger, die sich auch nicht gerade durch hervorstechendes Engagement auszeichnet. Diesen Eindruck konnten wir Personalvertreter zumindest gewinnen, als wir uns in einer konkreten Angelegenheit um Hilfe an sie wandten – es ging es um eine weibliche Bedienstete, die augrund von Mobbing ihren Job zu verlieren drohte. Wir konnten nicht helfen, die Bedienstete hat damals den Job tatsächlich verloren.

Wenig verwunderlich. Integration sei das Zauberwort für Frauenberger, da könne man sich viel besser profilieren als dadurch, dass man sich für die eigenen Leute, nämlich die 65.000 Wiener Magistratsbediensteten, einsetzt. Das käme in der Öffentlichkeit nicht wirklich gut an.

Putzfrauen als Pädagoginnen in Kindergärten

Einzelfälle? Mitnichten, denn allein Unzensuriert.at berichtet laufend über Mobbingfälle, etwa bei den Wiener Linien, bei der Müllabfuhr (MA 48), bei der Parkraumüberwachung (MA 67) oder bei den Kindergärten (MA10). Wo rot regiert, herrscht soziale Kälte. Und wo rot regiert, werden Vorwürfe, auch wenn sie berechtigt sind, ignoriert. Bestes Beispiel: Der akute Personalmangel in den städtischen Kindergärten. Hier gab es schon vor Monaten den Vorwurf, dass – weil es zu wenig ausgebildete Kräfte gibt – sogar Putzfrauen als Pädagoginnen eingesetzt werden. Ein Skandal, der vom zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) nur halbherzig bestritten werden konnte. Dies komme nur in Ausnahmefällen vor, sagte Oxonitsch. Die Situation hat sich aber nicht verbessert, im Gegenteil: Der Dachverband der Kindergartenpädagoginnen fordert aktuell sofort 600 Pädagogen mehr für Wien. 

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