Zensur in deutschsprachigen Medien III: Die Presse

Die PresseIn den ersten Teilen unserer Serie enttarnten wir den hemmungslosen Einsatz des Rotstiftes in zwei deutschen Medien. Doch auch die österreichischen Kommentarspalten sind alles andere als ein Forum der freien Meinungsäußerung. Das nächste Subjekt unserer Reportage ist das Forum der bürgerlichen österreichischen Tageszeitung Die Presse, dessen Mitglieder sehr oft eine zur veröffentlichten Meinung kontroverse Haltung zeigen – und dafür von gegenteili Gesinnten gerne als rechtsextrem beschimpft werden.

Die Presse

Die Presse

Die Presse: Hier weicht die Meinung vieler Leser weit von den
Ansichten der Redakteure ab.
Foto: Unzensuriert.at

Die Presse ermöglicht es, im Gegensatz zu den bisher untersuchten Medien, als "Gast" – also ohne vorherige Registrierung – zu kommentieren. Die Gast-Beiträge werden als solche gekennzeichnet. Und auch sonst scheint die Meinungsäußerung für die Nicht-Registrierten nicht ganz so frei zu sein, wie es scheint. Nach dem Absenden eines Kommentares erhalten wir folgende Notiz:

Ihr Kommentar wurde gespeichert. Danke für Ihren Beitrag. Aus technischen Gründen kann es zu einer Verzögerung kommen, bis ihr Kommentar online erscheint. Das können Sie vermeiden, indem Sie sich registrieren.

Umfrage: Meinungsfreiheit oder Zensur: Was bringen Kommentare in Online-Medien?

Eine Registrierung verändert also den "technischen" Prozess, auf dem Kommentare ihren Weg an die Öffentlichkeit finden? Laut den Richtlinien kann es bis zu 20 Minuten dauern, bis die Kommentare erscheinen. Wir warteten 2 Stunden lang. Da inzwischen mehrere Gastkommentare erschienen waren, kamen wir zu dem Schluss, dass unser – angesichts des generellen Klimas etwas provokanterer – Kommentar zum Artikel über die Geburtenrate von Österreichern und Migranten zu politisch unkorrekt war:

 

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Wir warteten vergeblich auf die Veröffentlichung unseres Kommentars.

Wann wird uns klar, dass das fadenscheinige Argument "Wir brauchen Immigranten, um das Land zu retten" nichts als eine böswillige Täuschung unseres Volkes ist?

Die Bedingungen für autochthone Österreicher, eine Familie zu gründen, werden kontinuierlich verschlechtert. Die Anreize werden verringert, die Komplikationen werden erhöht, die öffentliche Meinung wird dem egoistischen Materialismus unterworfen – wer Kinder hat, vergeudet sein Leben.

Deswegen "müssen" wir Ausländer ins Land holen, da wir sonst "aussterben" – doch auch die Ausländer, die sich nach längerer Zeit dem hiesigen Gedankengut unterworfen haben, verfallen in das vernichtende Schema des monetären Gewinns.

Das Problem liegt an der Wurzel unserer Einstellung – doch spricht man dies an, bekommt man den Stempel der ideologischen Aussonderung aufgedrückt. Ein Land, dessen Volk den Lebenswillen verloren hat und sich durch den stetigen Import ausländischer Einwanderer erhalten zu müssen glaubt, ist schwach und todgeweiht. Wie konnte es soweit kommen?

Auch ein harmloser Kommentar auf den Post eines anderen Users, der sich darauf bezog, dass Migranten hauptsächlich in Städte immigrieren, fiel der Zensur zum Opfer.

Kein Verstoß gegen die Forenregeln erkennbar

Die Forenregeln spiegeln wieder, welche Art von Meinungsäußerung die Redakteure sich erwarten. Hier wird Themenbezug, Respekt sowie ein freundlicher Umgangston gefordert – um ein "niveauvolles Diskussionsklima zu schaffen". Weiters ist die Herabwürdigung von Religionen, Verhetzung, Sexismus und Pornographie verboten. Gegen welchen Punkt dieser Regeln unser Kommentar verstoßen hätte, ist uns unklar. Dass in den Presse-Foren dennoch konservative und patriotische Meinungen meist die Oberhand haben, zeigt die Dominanz diese Einstellung unter den Lesern der Zeitung, wenn man in Betracht zieht, dass unser Kommentar wohl nicht der einzige ist, der der mutwilligen Zensur zum Opfer fällt. Angesichts dieser Tatsache muss man sich fragen, ob die Redakteure der Presse in ihren Artikeln und Kommentaren noch ansatzweise auf der Wellenlänge ihrer Kunden liegen.

Zensur in deutschsprachigen Medien I: Die Zeit
Zensur in deutschsprachigen Medien II: Die Welt
Wenn "falsche" Meinungen geäußert werden: Zensur in Onlinemedien 

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