Köpferollen im Flughafen lenkt von politischer Verantwortung ab

Es verdichten sich die Gerüchte, dass einer der drei Flughafen-Vorstände vorzeitig abgelöst wird. Herbert Kaufmann soll das immer schlimmer werdende Skylink-Debakel den Kopf kosten, haben Wiens Bürgermeister Häupl und Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll dem Vernehmen nach beschlossen. Am enormen politischen Einfluss auf das börsennotierte Unternehmen Flughafen Wien ändert sich damit nichts: Mit Ernest Gabmann und Gerhard Schmid bleiben ein Schwarzer und ein Roter am Ruder.

Zum neuen starken Mann beim Flughafen soll jetzt Niederösterreichs ehemaliger Wirtschaftslandesrat und Landeshauptmann-Stellvertreter Ernest Gabmann werden. Schon Gabmanns Antsantritt vor rund einem Jahr war höchst umstritten, wurde er doch kurzerhand vom allmächtigen Erwin Pröll in einer Pressekonferenz ernannt. Die Aufsichtsräte durften die politische Entscheidung danach nur noch abnicken.

Gabmann: Vom Problemlöser zum Problemverursacher

Gabmann signalisierte sofort, er wolle im Skylink-Chaos hart durchgreifen, verfügte einen Baustopp und stieg aus den Verträgen mit den Subunternehmern aus. Was ihm Experten damals schon prophezeiten, wurde jetzt zur Gewissheit: Einige der ausgebooteten Firmen haben geklagt. Nicht nur, dass dem Flughafen jetzt empfindliche Schadenersatzzahlungen drohen, könnten die juristischen Auseinandersetzungen auch den für Februar avisierten Weiterbau des neuen Terminals verzögern. Pröll-Günstling Gabmann hat also gleich mit seiner ersten Tat kräftig daneben gegriffen.

Wer braucht den Skylink überhaupt noch?

Indessen stellt sich angesichts des dramatischen Passagierrückgangs die Frage, ob der Flughafen den sündteuren neuen Terminal überhaupt braucht. Schwechat leidet massiv unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise, aber auch unter dem Verkauf der AUA. Ganz abgesehen davon, dass das Managementdesaster rund um den Skylink-Bau wohl auch Wiens Position in der Konkurrenzsituation zu Zürich oder München als Ost-West-Drehscheibe im Flugverkehr empfindlich schwächt. Unter diesen Voraussetzungen ist der Terminal ebenso unnötig wie die dritte Piste, die wegen des Endlosstreits mit zahlreichen Bürgerinitiativen ohnehin kaum realisierbar sein wird.

Sichtbar wird jedenfalls, dass schon den Planungen für den Skylink offenbar unrealistische Prognosen für die Zukunft zugrunde lagen – womit sich erneut die Frage der politischen Verantwortung für das Desaster stellt. Die Expansionsphantasien entsprangen ja maßgeblich dem politischen Willen der Verantwortungsträger – Häupl und Pröll. Solange sie sich selbst nicht dieser Verantwortung stellen, sind die Vorstandsrochaden im Flughafen-Vorstand Kosmetik, zumal ohnehin alles schön zweifärbig bleibt.

Foto auf der Startseite: Ernstl

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