Buchtipp: Die Mauer: Fakten, Bilder, Schicksale

Berliner MauerDas vom Chefredakteur der BILD Zeitung, Kai Diekmann, herausgegebene Buch zeigt auf rund 200 Seiten die Entstehungsgeschichte des sogenannten "Antifaschistischen Schutzwalles" wie auch die immer weiter perfektionierten Methoden, um Bürgern der DDR an einer Flucht aus dem "Arbeiter- und Bauernparadies" zu erschweren. Präsentiert werden neben vielen historischen Fotos auch Ablichtungen von Dokumenten zum Mauerbau und zum Dienst der DDR-Grenzsoldaten.

In "Die Mauer: Fakten, Bilder, Schicksale" kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, darunter der damals 14-jährige Junge Stefan Heyde, der den Mauerbau so schildert: "Ich hatte das Gefühl, wir leben jetzt in einem großen Gefängnis… ich war fassungslos und fühlte mich umzingelt. Ich hatte Angst." Spannend lesen sich die geglückten, aber leider auch nicht geglückten Fluchtversuche von Bürgern der DDR in den Westen. Besonders eindrucksvoll ist die Flucht dreier Brüder mittels eines Leichtflugzeuges mit aufgemaltem roten Stern, dem Hoheitsabzeichen der Sowjetunion. („Wir waren als Russen unterwegs. Wir dachten uns, kein Grenzer traut sich, auf ein Russen-Flugzeug zu schießen.“)

Berliner Mauer

Berliner Mauer

Die DDR verhinderte die Flucht ihrer Bürger mit allen Mitteln.
136 Tote waren entlang der Berliner Mauer zu beklagen.
Foto: Alexander Buschom / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Leider ging nicht jeder Fluchtversuch so gut aus: 136 Tote gingen auf das Konto des SED-Regimes, darunter auch einige Kinder wie etwa ein türkischer Junge, der ertrinken musste, da die Polizei am Westufer keine Genehmigung hatte einzugreifen. Besonders tragisch ist auch der Tod der beiden "Grenzverletzer" (so der offizielle SED-Sprachgebrauch) Lothar Schleusser, zum Zeitpunkt des Todes 13 Jahre alt, und Jörg Hartmann (10). Beide starben im Kugelhagel der DDR-Kalaschnikows. Bezeichnend ist auch der interne Umgang der DDR mit dem Tod der Kinder. ("Verhinderung eines Grenzdurchbruchs durch Anwendung der Schusswaffe") Der verantwortliche Stadtkommandant der Nationalen Volksarmee (NVA), Helmut Poppe lobte die verantwortlichen Grenzer und hielt zynisch fest, die eingesetzten Posten hätten entsprechend der Lage richtig gehandelt. Die offiziellen DDR-Organe konnten natürlich den Tod zweier Kinder im eigenem Land schwer rechtfertigen und entschlossen sich für die Lüge, dass beide ertrunken und in eine Schiffsschraube geraten seien.

Kritisch merken die Verfasser des Buches, die beiden Historiker Ulrich Mählert und Ralf Georg Reuth sowie der BILD-ReporterHans-Wilhelm Saure auch an, dass im Jahr 2011 – mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR – die endgültige Opferzahl an der etwa 1.400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze immer noch nicht ausreichend recherchiert wurde.

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