ÖVP-Bauernbund auf den Spuren Sarrazins?

Thilo SarrazinAm 29.September 2011 soll der bundesdeutsche Bestsellerautor und SPD-Politiker Thilo Sarrazin in der steiermärkischen Landeshauptstadt Graz auftreten. Die Einladung erfolgte durch Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch. Offensichtlich verspricht man sich in konservativen ÖVP-Zirkeln Denkanstösse in Sachen Zuwanderung und Integration, in der ansonsten weltanschaulich völlig „lendenlahmen“ kleineren Regierungspartei. Bis heute hat hier die ÖVP, obwohl sie seit nunmehr mehr als zehn Jahren den dafür zuständigen Innenminister stellt, keine klare Linie im Sinne der österreichischen Interessen gefunden.

Thilo Sarrazin als Blockadebrecher

Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin

Konservative ÖVP-Kreise wollen sich mit den Thesen Sarrazins befassen.
Foto: oparazzi photos / flickr

Seit der Veröffentlichung des Buches "Deutschland schafft sich ab" vor einem knappen Jahr durch den Ex-Bundesbankvorstand und Sozialdemokraten Thilo Sarrazin reißt in der Bundesrepublik Deutschland die Flut der Beiträge und Wortspenden zum Thema Zuwanderung nicht ab. Sarrazin war mit seinen Thesen der Blockadebrecher für einen Diskussionsprozess der in der Bundesrepublik Deutschland mit einem gewissen Zeitverzögerungseffekt geführt wird. Obwohl man seit Anfang der 1960er Jahre zuerst Gastarbeiter aus Ex-Jugoslawien und der Türkei und dann Zuwanderer und Asylanten aus nahezu allen Teilen der Welt in Deutschland aufgenommen hatte, wurde bis heute keine offene und ehrliche Diskussion über das Thema der Zumutbarkeit einer solchen Politik für die Heimatbevölkerung und deren soziale und kulturellen Bedürfnisse geführt. Lang galt dieses Thema politisch als inkorrekt und wurde nur politischen Randgruppen überlassen. Spätestens mit Thilo Sarrazin ist das Thema Zuwanderung politisch und gesellschaftlich in der Mitte der deutschen Gesellschaft angelangt.

Provokation löste 2010 Systemkrise aus 

Im September 2010 wurde der Fall Thilo Sarrazin zu einem Test für die Reife der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland. Thilo Sarrazin hat mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ eine Provokation gegen das, was in den bundesdeutschen politischen Eliten, als „korrekt“ gilt, gestartet. Die von ihm gegebenen Interviews und vertretenen Thesen zu Fragen der Erbanlagen und ihrer Relevanz für Menschen und Völker haben diese Provokation noch verstärkt. Dass dies von vielen Zeitgenossen auf der Grundlage ihres eigenen Weltbildes abgelehnt wird, ist Teil des Diskurses. Kein teilnehmender Beobachter ist davon überrascht. Überrascht ist man von der Heftigkeit der Reaktionen auf die Thesen Thilo Sarrazins. Denn diese Reaktionen sind nicht von besseren Argumenten bespeist, sondern von einem archaischen Reflex: Entlassen, Ausschließen, Ächten, Vernichten. Während Sarrazin den Sessel in der Deutschen Bundesbank als Vorstandsmitglied 2010 räumen musste, hat er sich bis heute erfolgreich gegen einen Ausschluss aus der SPD gewehrt.

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