Buchtipp: Das Ende des Geldes

5 Millionen MarkEin unhaltbares Defizit im Staatshaushalt und eine Politik, die nicht mehr agiert, sondern zur Reaktion verdammt ist. Das sind die Zutaten für wirtschaftlichen Niedergang und Hyperinflation. Die Weimarer Republik war von innenpolitischen Grabenkämpfen zerrissen, Inflation stürzte Arbeiterschaft und Bürgertum in Armut. Der Ausgang der tragischen Geschichte ist bekannt. Aus dem Nährboden der Armut, Verunsicherung und des sich entwickelnden Hasses entstand eine grausame totalitäre Diktatur.

Buchtipp: Das Ende des GeldesDie Erstauflage des Buches „Das Ende des Geldes: Hyperinflation und ihre Folgen für die Menschen am Beispiel der Weimarer Republik“ erschien im Jahr 1975. Damals konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, dass die zweite große Weltwirtschaftskrise nur nach etwas mehr als 30 Jahren bevorstehen würde. Aus aktuellem Anlass legte der bekannte Wirtschaftsprofessor Max Otte das Buch neu auf. Der Autor Adam Fergusson schloss sein Geschichtsstudium an der Universität von Camebridge ab. Anschließend war er als Journalist tätig, bis es ihn als Abgeordneten in das Europäische Parlament verschlug. Großbritannien würdigte seine Leistungen, indem Fergusson die Mitgliedschaft in der „Royal Society of Literature“ verliehen wurde.

Der Autor schildert an konkreten Beispielen die Folgen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Weimarer Republik. Nicht lediglich anhand anonymer statistischer Daten, sondern konkreter Schicksale. Fergusson veranschaulicht die Wechselwirkung von ökonomischen Zerwürfnissen und schwindender politischer Stabilität. Einer im Fall der Weimarer Republik rasant schwindenden Stabilität, die schließlich in die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges mit seinen Abermillionen Todesopfern führen sollte. Dabei leuchtet er den historischen Kontext, der in dieses Debakel führte, genau aus. Die dem Deutschen Reich von den alliierten Mächten aufgebürdeten Reparationszahlungen und die Abtrennung von Industriegebieten erstickten jede Prosperität im Keim. Defizite wurden einfach durch druckfrisches Geld ausgeglichen. Die einsetzende Hyperinflation war bis dahin beispiellos: Im Winter 1922/23 kostete ein Sack Kartoffeln mehrere Billionen Mark. Weite Bevölkerungsteile stürzten in Armut. Kinder aller sozialen Schichten waren akut unterernährt und wiesen Entwicklungsstörungen auf.

Aus der Hyperinflation wurde Krieg

5 Millionen Mark

5 Millionen Mark

Dem Deutschen Reich wurden von den Alliierten Reparationszahlungen
aufgebürdet, die eine beispiellose Hyperinflation verursachten.
Foto: Deutsches Bundesarchiv / Wikimedia

Die Politik war nicht in der Lage, den Herausforderungen zu begegnen. Sobald die verfeindeten innenpolitischen Lager Konsens hergestellt hatten, warteten in der Regel die Alliierten mit der Forderung nach zu leistenden Zahlungen auf. Die Menschen und ihr Staat schienen keine Perspektive mehr zu haben. Minderheiten wurden zu willkommenen Sündenböcken gestempelt. Der Hass brauchte einen Adressaten. In diesem Klima der Wut, Angst und Unsicherheit ging die Saat des Totalitarismus auf. Nationalsozialisten und Kommunisten erfreuten sich regen Zuspruchs. Ihre vermeintlichen Lösungen waren ebenso einfach wie radikal. Die Katastrophe der Hyperinflation mündete schließlich direkt in den Zweiten Weltkrieg.

Das Ende des Geldes ist ein aktuelles Thema. Europas Regierungen haben sich und ihre Staaten durch jahrzehntelange Schuldenpolitik in eine gefährliche Situation manövriert. Den Ton geben weniger gewählte Volksvertreter als Ratingagenturen an. Der Politik kommt lediglich die Rolle zu, auf deren Einschätzungen zu reagieren. Haftungsübernahmen, ein intransparenter Rettungsschirm und gesetzeswidrige Anleihekäufe durch die EZB ließen ein Dominosystem entstehen, das die Wirtschaft Europas gefährdet. Adam Fergusson zeigt in seinem Werk anschaulich, wohin fehlgeleitete Finanzpolitik führen kann.

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