Camerons Aufruf zu einem gesellschaftlichen Wandel

In einer Rede vor Schülern nannte Großbritanniens Premierminister David Cameron die schockierenden Krawalle „einen Weckruf“ für das Vereinigte Königreich. Die kriminellen Akte der randalierenden Banden seien die Folge eines „moralischen Zusammenbruchs“ der britischen Gesellschaft. Der Premier nennt „Verantwortungslosigkeit", „Egoismus“, „Schulen ohne Disziplin“ und „Kinder ohne Väter“ als Gründ für einen moralischen Verfall.

Gastkommentar von Barbara Rosenkranz

Um die „kaputte Gesellschaft zu reparieren“, verspricht Cameron unter anderem, die Familienpolitik in den Fokus zu rücken. Sämtliche Gesetzesvorlagen sollen in Hinkunft auf Familientauglichkeit hin überprüft werden: „Wenn es Familien schadet, wenn es Bindungen untergräbt, wenn es die Werte, die Menschen zusammenhalten, mit Füßen tritt oder verhindert, dass Familien zusammenbleiben, dann sollten wir es nicht tun“, so Cameron.

Sicherlich sind die Krawalle in England in erster Linie Folgerescheinungen der schrankenlosen Einwanderung der letzten Jahrzehnte. Tatsache ist aber auch, dass sich nicht ausschließlich Jugendliche von Einwandererfamilien, die in Parallelgesellschaften ethnisch abgeschottet leben, an den Ausschreitungen und Plünderungen beteiligen, sondern auch Kinder der Ursprungsbevölkerung; abwertend oft als „white trash“ bezeichnet. Die eklatante soziale Fehlentwicklung hat auch diese erfasst. Unbestritten ist, dass insbesondere an dieser Schicht die Probleme, die die Entwertung der kleinsten sozialen Einheit – der Familie – mit sich bringt, offenbar werden. Cameron tut gut daran, dies zu erkennen, anzusprechen und Lösungen zu erarbeiten.

Das ist auch für Österreich notwendig. Denn, mögen manche Entwicklungen in unserem Land erst mit einer gehörigen zeitlichen Verzögerung eintreten, wissen wir nicht erst seit Kreisky, dass Österreich eben keine „Insel der Seligen“ ist.

Das Bild von Familie, das uns Medien und politische Klasse zeichnen, ist selten ein positives. Während die etablierten Parteien die österreichischen Familien als bloße budgetäre Belastung darstellen, werden von Presse und Fernsehen nur Problemfälle transportiert. Harmlos ist bereits, wenn die „heile Familie“ als bloßer Kitsch diffamiert wird. An dem Umgang mit Familien aber zeigt eine Gesellschaft, in welchem Zustand sie sich befindet. Es stellt sich die Frage, ob ein rücksichtloser Individualismus Leitbild sein kann, oder ob sich die Gesellschaft als soziales Gebilde, deren Rückgrat die Familie bildet, sehen will. Cameron ist zuzustimmen, wenn er diese Fragen aufwirft, um einen Wandel im Land herbeizurufen.

Enorme Differenz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung

Die Republik Österreich hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter vom Bild einer familienfreundlichen Gesellschaft entfernt. Trotz allem beweisen zahlreiche Studien und Umfragen, dass der Wert der Familie bei der Bevölkerung immer noch hoch im Kurs steht. Nicht nur der jüngste „Jugend Monitor“ hat nachgewiesen, dass auch der österreichische Nachwuchs die Familie als Idealbild des Zusammenlebens sieht. Es zeigt sich einmal mehr, wie weit die öffentliche Meinung auf der einen Seite und die veröffentlichte Meinung (gemeinsam mit den Forderungen der politischen Klasse) auf der anderen Seite auseinander liegen.

Dieser Umstand ist zum einen erschreckend, zeigt er doch die Realitätsferne oder gar die Ignoranz etlicher Journalisten und Politiker. Zum anderen ist der Umstand aber auch beruhigend. Er zeigt nämlich auf, dass ein gesellschaftlicher Wandel, wie ihn sich der britische Premier vorstellt, auch in Österreich möglich ist. Was fehlt ist „lediglich“ ein Umdenken bei den Medien sowie den politischen Entscheidungsträgern – oder aber deren Abwahl. Es liegt allein in unserer Hand.

Barbara Rosenkranz schreibt auf www.zurueckzurvernunft.at.

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