Der teuerste Radweg der Welt: 650.000 Euro für 100 Meter

RadwegDie Stadt Salzburg baut den teuersten Radweg der Welt. Für nur 100 Meter sollen 650.000 Euro ausgegeben werden. Im Vergleich: Linz baut einen ganzen Kilometer Radweg um 300.000 Euro und in Innsbruck, wo die Radwege etwas teurer sind, kosten sie bis zu 800.000 Euro pro Kilometer.

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Salzburg sind die Radfahrer viel Geld wert.
Foto: ponte112 / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Dass angesichts dieser Gegenüberstellung jetzt vom teuersten Radweg der Welt gesprochen wird, ist aufgrund der horrenden Kosten keine Übertreibung. Baustadträtin Claudia Schmidt (ÖVP) hat zwar versucht, durch Verhandlungen den Preis bei der bestbietenden Baufirma zu drücken. Was zum Teil gelang. Doch mehr als 100.000 Euro ließ die Baufirma nicht nach, statt 750.000 Euro kostet er nun 650.000 Euro. Schmidt, die das teure Projekt komplett absagen wollte, sorgte damit für interne Auseinandersetzungen im Bauressort. Die Beamten bestanden jedoch auf die Umsetzung. Schmidt gab nach, sagt aber gegenüber ORF.at: „Man muss schon sagen: Bei allen technischen Notwendigkeiten wie Leitungsverlegung, Straßenverbreiterung, Stützmauerbau und so weiter ist es schon wahnsinnig viel Geld für so ein kurzes Stück.“

Für Tauernradweg wurde Wirtshaus rückgebaut

Sie sei nicht glücklich mit dem Projekt, doch werde bereits seit acht Jahren an diesem Reststück der Kleßheimer Allee geplant. Sie selbst will die Verantwortung trotzdem nicht übernehmen. Die letzte Entscheidung soll der Gemeinderat treffen. Wenn der 650.000 teure Radweg im Stadtteil Maxglan aber gebaut wird, wofür alles spricht, ist dieser bereits der zweite Radweg in Salzburg, der für Diskussionen sorgt. Zuletzt hatte es wegen des Tauernradweges bei Bad Vigaun (Tennengau) Aufregung gegeben. Für diesen Radweg mussten das ehemalige Wirtshaus Tauglmauth im Erdgeschoss rückgebaut und ein neuer Radsteg an der Tauglbrücke errichtet werden, um Kosten von rund 700.000 Euro. Dafür ist die Strecke länger als 100 Meter, wodurch dieses Stück des Tauernradweges auf Platz zwei der teuersten Radwege der Welt zurückfiel.

Toiletten mit Fußbodenheizung um 400.000 Euro

Salzburg und seine Baukosten. Man könnte meinen, dass das Geld abgeschafft wurde. Kaum zu glauben, aber wahr: während andere um knapp 400.000 Euro ein schmuckes Einfamilienhaus bauen, gibt die Stadt Salzburg soviel Geld für eine Toilette aus. So kosten die neuen Sanitäranlagen beim Busterminal Süd, die im November neben dem Unipark Nonntal aufgestellt werden, rund 4000 Euro pro Quadratmeter. Immobilien-Experten schätzen die Baukosten als ziemlich hoch ein. Im Wohnbau gäbe es Projekte, bei denen die Architekten mit einem Viertel der Summe auskommen müssten. Im Gegensatz zum Radweg verteidigt Baustadträtin Claudia Schmidt den hohen Preis für die WC-Anlage: Neben den Anschlusskosten für Wasser, Strom und Kanal, die allein 7.500 Euro ausmachen würden, seien im Toilettenhaus eine Fußbodenheizung und ein Lüftungssystem eingebaut. „Das kostet es halt“, sagt Schmidt gegenüber ORF.at, die sich über ein „neues, würdiges Entree“ in die Salzburger Altstadt freut. Inkludiert im Preis: Sechs Pissoirs, zehn Toiletten, Nebenräume und ein Vordach, um die Besucher vor Regen zu schützen. 

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