Italienischer Bürgermeister ersucht um Zuweisung von „Einwanderern“

BildDer vor kurzem von der italienischen Regierung eingeschlagene drastische Sparkurs beinhaltet unter anderem die Auflösung kleinerer Gemeinden mit weniger als tausend Einwohnern, die dadurch zur Fusion mit größeren Gemeinden verurteilt sind. Es handelt sich um 1963 Gemeinden, vor allem im Norden, wo etwa von 1206 Gemeinden des Piemont 597 fusioniert werden sollen. Der Verband der kleineren italienischen Gemeinden mobilisierte gegen das Projekt mit Argumenten, denen durchaus Beachtung geschenkt werden muss. Laut der Vorsitzenden des Verbandes, Franca Biglio, "stellen unsere Gemeinden einen Bezugspunkt für die Menschen dar." Das Bürgermeisteramt abzuschaffen, hieße "ein Stück des Heimatlandes zu töten." Franca Biglio argumentiert weiters, dass viele Volksvertreter sich nicht einmal ihre Unkosten ersetzen ließen und dass die Effektivkosten für die Verwaltung kleinerer Gemeinden nur 1,5 Millionen Euro betragen. "Weniger als die jährlichen Kosten von drei Nationalratsabgeordneten."

 

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Das kleine Acceglio sollte durch Illegale Zuwanderer aufgestockt werden –
doch die Bürger setzten sich zur Wehr.
Foto: wikimedia / Paebi

Einige Bürgermeister der von Fusion bedrohten Gemeinden probieren es hingegen lieber mit der "combinazione", auf deutsch: Zuzug. So etwa der Bürgermeister von Acceglio, einem hübschen Bergdorf in der Provinz Coni in der Nähe der französischen Grenze, der folgende Rechnung aufgestellt hat: Seine Gemeinde zählt 178 Menschen, das heißt sichere Auflösung; aber dann gibt es doch noch all jene Afrikaner, die nach Lampedusa gekommen sind und mit denen niemand etwas anzufangen weiß. Kurzum: Bürgermeister, Riccardo Benvegnù, schrieb einen Brief an seinen Kollegen von Lampedusa, um ihm die Unterbringung von 830 illegalen Einwanderern anzubieten. Und die Rechnung ging auf! Der Bürgermeister von Lampedusa, überglücklich über solche Post, beeilte sich Benvegnù zu antworten und ihn "für seinen Mut und seine staatsmännische Gesinnung" zu beglückwünschen; unter einem versprach er, den Vorschlag sofort an Innenminister Roberto Maroni weiterzuleiten.

Leider waren die Leute von Acceglio, die von der Landwirtschaft und etwas Sommertourismus leben "von der Aussicht auf eine bevorstehende Invasion entsetzt." Der Bürgermeister musste einen Rückzieher machen. Er kam nun mit einer Erklärung, dass es sich nur um eine Provokation gehandelt habe, um Gehör zu finden und dass man seinen Vorschlag nicht ernst oder wörtlich nehmen dürfe. Er kontaktierte sogar den Bürgermeister von Lampedusa, um sich zu entschuldigen: "Ich hoffe, er wird die Gründe für mein Handeln verstehen."

Diskrete Suche nach Eiwanderern und Zigeunern

Der Bürgermeister von Acceglio mag ein extremer Fall sein, aber so wie es aussieht, machen es viele genauso wie er, bloss mit mehr Diskretion. Laut der Tageszeitung Il Messaggero sei "eine Jagd auf die Einwanderer" ausgebrochen. Kleinere Gemeinden, die mangels Erreichen der 1000-Einwohner-Schwelle von der Auflösung bedroht sind, "suchen verzweifelt, von Norden nach Süden, nach Nicht-Europäern oder Zigeunern, um diese als in der Gemeinde aufhältig registrieren zu können." Es gebe sogar einige Bürgermeister in der Padania und von der Lega Nord, welche die Verwaltung von Lampedusa bekniet haben, man möge ihnen doch illegale Einwanderer aus den Anhaltezentren überlassen, mit denen sie ihre Gemeinden "aufvolken" wollen. Die Zeitung Il Messaggero, welche dem Einwanderungsstaat huldigt  und den Christdemokraten nahesteht, triumphiert jedenfalls: "Die EInwanderer, welche zunächst als eine Gefahr für das Land angesehen wurden, sind nun zu Rettern der vielen kleinen lokalen Gemeinden geworden."

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