„Ich bin Ausländerin, wenn ich in Dalmatien auf Urlaub bin“

Integration funktioniert. Das beweisen unzählige Menschen, die nach Österreich zugewandert sind und sich hier bestens eingelebt haben. Eine von ihnen ist die gebürtige Kroatin Michaela V., die im Jugoslawien-Krieg mit ihrer Familie aus der Gegend von Vukovar flüchten musste und hier eine neue Heimat gefunden hat. Im Unzensuriert-Interview macht sie klar, dass die Kenntnis der deutschen Sprache von elementarer Bedeutung ist. Und sie übt Kritik an Zuwanderern, die an Österreich nur der Reisepass interessiert, damit sie die Sozialleistungen dauerhaft absichern können.

 

Unzensuriert: Ich möchte mit einer leicht provokanten Frage beginnen. Wir hatten doch bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 das Eröffnungsspiel zwischen Österreich und Kroatien. Welcher Mannschaft haben Sie, als Österreicherin, die Daumen gedrückt?
Michaela V.: Sport ist eine emotionale Sache und sollte nicht politisch instrumentalisiert werden. Es ist ja auch nicht so, dass entweder ein Rapidler oder ein Austrianer der bessere Wiener wäre. Ich habe zwar zu den Kroaten gehalten, das gebe ich zu, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen eine kroatische Fahne grölend durch die Innenstadt zu schwingen. Meine Farben sind Rot-Weiß-Rot.

 

Unzensuriert:  Also, Sie fühlen sich als Österreicherin.
Michaela V.: Ich bin eine Österreicherin kroatischer Herkunft. Aber ich bin auch wirklich stolz auf dieses Land, da es mit Chancen und Möglichkeiten gegeben hat leben zu können.

 

Unzensuriert: Aber Österreich gibt doch nahezu jedem eine Chance.
Michaela V.: Das ist schon richtig, aber es macht mich auch etwas traurig, weil schon alles eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Jeder hält nur mehr die Hand auf, möchte aber nichts mehr dafür tun. Das fängt eigentlich schon beim Deutschlernen an.

 

Unzensuriert:  Richtig, es fällt mir auf, dass Sie ausgezeichnet Deutsch sprechen.
Michaela V.: Warum denn nicht, Deutsch ist die Sprache meines Heimatlandes und wer nicht die Sprache des Landes, in dem er leben möchte versteht, hat dort nicht viel verloren. Ich habe in der Schule sogar Deutschunterricht gehabt, aber als ich nach Wien gekommen bin, habe ich feststellen müssen, dass ich überhaupt nichts verstehe und eigentlich nichts kann. Aber gerade das hat mich angespornt, die Sprache zu erlernen, denn ich hatte auch eine dringende Notwendigkeit darin gesehen, denn ich hatte keine Heimat mehr. Meine Brüder und ich stammen aus der Gegend von Vukovar und wir konnten, nachdem unser Dorf komplett zerstört worden ist, nur noch das nackte Leben retten. Im Winter 1991 sind wir dann in Wien angekommen und haben vorerst beim Bruder meiner Mutter eine Bleibe gefunden.

 

Ausbruch aus der "kleinjugoslawischen" Gesellschaft

 

Aber nach einigen Monaten in einer zwar friedlichen aber „kleinjugoslawischen“ Gesellschaft habe ich mir gedacht, das kann´s ja auch nicht sein, den ganzen Tag in der Wohnung herumsitzen und warten dass irgendwas geschieht. Ich war gerade 16 Jahre alt und wollte eigentlich etwas lernen. Und mir ist die Möglichkeit gegeben worden, eine Handelsschule zu besuchen. Aber was mache ich in einer Schule, wo ich die Sprache überhaupt nicht verstehe? Also habe ich meinen Bekanntenkreis gewechselt und mich mit meinen Mitschülerinnen angefreundet. Ich habe festgestellt, dass man eine Sprache nur lernt, wenn man muttersprachlichen Menschen zusammen ist, denn wenn man nur soviel kann, um etwas einzukaufen oder radebrechend nach dem Weg fragen kann und sonst nur, wie in meinem Falle Serbokroatisch spricht, fällt man zwangsläufig in eine Parallelgesellschaft. Ich habe aber gewusst, Deutsch muss sein, weil ich ja nicht wissen konnte, ob ich je wieder in mein altes Land zurückkehren kann. Und nach einiger Zeit ist mir der Knopf aufgegangen, ich bin dann sogar in die HAK gewechselt und habe anschließend ein Studium gemacht.

 

Unzensuriert:  Das ist natürlich ein Vorzeigeweg. Aber was geht bei den vielen Menschen schief, die schon Jahre und Jahrzehnte hier sind und sich noch immer nicht verständigen können?
Michaela V.: Viele Menschen können, aber die meisten wollen sich nicht aus ihrer kulturellen Umgebung lösen. Sie nehmen das Geld vom Staat und wollen deswegen auch die Staatsbürgerschaft, nicht weil sie irgendwas mit Österreich oder den Österreichern zu tun haben wollen, sondern nur, damit diese Geldquelle nicht versiegt. Wenn Sie etwa mit einem Türken mit österreichischem Pass reden, sieht dieser sich in erster Linie als Türke, der dieses Dokument nur benötigt, damit er an alle Sozialleistungen herankommt, aber dann schwingt er bei der Europameisterschaft ungeniert die türkische Fahne.

 

"Gemeinde Wien züchtet sich ihr linkes Stimmvieh heran"

 

Unzensuriert:  Und was sollte der Staat Ihrer Meinung mit diesen Menschen machen?
Michaela V.: Soweit ich weiß, ist noch nie jemandem die Staatsbürgerschaft aberkannt worden und gerade die Gemeinde Wien, die besonders gerne Staatsbürgerschaften verleiht, züchtet sich ihr linkes Stimmvieh heran, also wird der Saat gar nichts machen, aber viele Menschen fühlen sich immer unzufriedener, trauen sich aber gar nichts mehr zu sagen. Man wird sofort in ein ultrarechtes Eck gestellt, wenn man irgendetwas gegen Zuwanderung anmerkt und gerade ich werde immer wieder beschimpft. Ich als Ausländerin müsste doch die erste sein, die etwas gegen Strache und Konsorten haben sollte, glauben viele Menschen. Richtig, ich bin Ausländerin, aber dann, wenn ich in Dalmatien auf Urlaub bin. Deswegen habe ich auch ein „C“ im Namen eingefügt, denn kroatisch schreibt sich mein Name „Mihaela“, aber im Deutschen ist das kroatische „H“ ein „CH“.

Unzensuriert: Ich brauche sie wohl nicht zu fragen was Sie im Herbst bei den Landtagswahlen wählen werden, aber etwas interessiert mich doch noch, was haben Sie studiert?
Michaela V.: Politikwissenschaften.

 

Unzensuriert: Danke für das Gespräch.

 

Mag. Michaela V. möchte nicht mit vollem Namen erscheinen, da sie Repressalien in ihrem Beruf fürchtet.

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