Gratiszeitung Heute: Peinlicher geht’s wirklich nimmer!

In der Ausgabe vom 31. August hat die Gratis-Tageszeitung Heute wohl jeglichen Anspruch auf objektive Berichterstattung aufgegeben. Unter dem Titel „Faymann blamiert ORF-Moderatorin“ zog Redakteur Erich Nuler Bilanz des nächtlichen Sommergesprächs zwischen Ingrid Thurnher und Kanzler Werner Faymann. Dabei kam er zu dem Schluss, dass der SPÖ-Vorsitzende die ORF-Moderatorin vorgeführt habe.

Dieses Urteil fasste Nuler, weil Thurnher die Frage stellte, warum Poltiker immer vor den Wahlen Steuersenkungen machen und nach den Wahlen Erhöhungen vornehmen würden. Faymann antwortete mit einer Gegenfrage: „Wann war die letzte Steuerreform?“ Darauf Thurnher: „ Na gut, dann hieß es eben nicht Steuerreform, aber es gab knapp vor den Wahlen 2008 ein Steuersenkungspaket.“ Faymann: „Nein, die letzte Steuerreform gab es 2009 und nicht vor der Wahl, das ist falsch!“

Wahlzuckerl um eine halbe Milliarde Euro

So falsch aber lag Frau Thurnher nicht. Nachgefragt im Parlament, war zu erfahren, dass in der September-Sitzung – der letzten vor der Wahl 2008 – Zuckerl für die Wähler verteilt wurden. Da wurden zum Beispiel die Studiengebühren abgeschafft oder die Hackler-Regelung verlängert. In Summe kosteten diese Wahlgeschenke der SPÖ rund eine halbe Milliarde Euro.

Thurnher hatte mit ihrer Frage also inhaltlich völlig recht. Und selbst wenn sie selbst auf Grund der bekannten politischen Ausrichtung der ORF vielleicht gar kein allzu großes Problem damit gehabt hätte: Vorgeführt wurde sie von Faymann gewiss nicht, dazu ist der Kanzler um Klassen zu schwach. Heute-Chefredakteur Wolfgang Ainetter setzte der Peinlichkeit noch die Krone auf und schrieb in seinem Kommentar: „Lasst Thurnher nur noch Wetter moderieren!“ ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wird auf diesen Zuruf sicherlich gewartet haben.

Die SPÖ-Politik: Gute Berichte, viele Inserate!

Warum die Zeitung Heute so aggressiv reagierte, liegt auf der Hand. Man wollte offenbar den Brötchengeber ob dessen schwacher Performance beim TV-Auftritt schützen. Faymann zählt ja zu den fleißigsten Inserenten in diesem Medium – und siehe da: 13 Seiten nach dem wohlwollenden Bericht für den SPÖ-Mann taucht eine ganze Seite Werbung mit den Konterfeis von Faymann und Gesundheitsminister Alois Stöger auf. Zufall? Dem nicht genug, wirbt im selben Heft auch die Stadt Wien mit gleich sechs vollen Seiten für den Schulbeginn. Viel ehrlicher wäre es gewesen, hätte Chefredakteur Ainetter in seinem Kommentar nicht Thurnher scharf kritisiert, sondern offen gesagt: Die SPÖ finanziert uns mit Einschaltungen, also werden wir nicht zulassen, dass Faymann schlecht wegkommt in der Berichterstattung.

Vielleicht hat es die Heute-Crew auch gestört, dass Thurnher Faymann auf die Inseraten-Affäre ansprach. Dem Kanzler und Staatssekretär Josef Ostermayer wird vorgeworfen, die Staatsbetriebe ÖBB und der ASFINAG unter Druck gesetzt zu haben, Inserate in Boulevard-Medien zu schalten. Als Ex-Manager beider Firmen plauderten, schickte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft, die nun ermittelt. Faymann gab sich gelassen: „Ja, die FPÖ hat mich angezeigt. Jetzt schaut sich die Staatsanwaltschaft das an!“, war seine kurze Antwort. Leider hat Thurnher den Bundeskanzler nicht mit dem schwarzen Loch in seinem Lebenslauf konfrontiert. In dessen Biographie – und das ist bemerkenswert – fehlen sieben Jahre, die der 51-Jährige nicht öffentlich machen will.

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