Telekom: Das System Rot-Schwarz

Die Telekom war großzügig im Verteilen von Geld. Eine Viertelmillion an Hubert Gorbach für seine Sekretärin, 600.000 Euro an das BZÖ, 3,7 Millionen an den ÖVP-nahen Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, neun Millionen an Peter Hochegger, ohne den in Österreich offenbar gar kein Geschäft läuft , und weitere neun Millionen an Bonus-Zahlungen an die eigenen Manager, nachdem der Aktienkurs wie von Zauberhand nach oben gezogen wurde.

Kommentar von Martin Graf

Wenn auch in allen Fällen die Unschuldsvermutung gilt, so könnte sich der eine oder andere schon strafbar gemacht haben in diesem Millionenkarussell. Journalisten fühlen sich bestätigt, die es immer schon gewusst haben wollen, dass „Schwarz-Blau“ die schlimmste Regierung in Österreich war und – wie es immer so plakativ heißt – die Republik als Selbstbedienungsladen missbraucht hat.

Doch „am Rande“, wie manche Medien verschämt schreiben, werden auch andere Telekom-Deals beleuchtet, nämlich die Zukäufe osteuropäischer Mobilfunkfirmen – in Bulgarien, Weißrussland und Serbien. Warum eigentlich nur am Rande? Am möglichen finanziellen Schaden kann es nicht liegen. Die bulgarische MobilTel wurde 2005 von der Telekom Austria für 1,6 Milliarden Euro gekauft. Verkäufer waren der Investor und Milliardär Martin Schlaff, der frühere ÖVP-Obmann Josef Taus und der ehemalige Länderbank-Vorstand Herbert Cordt. Die drei hatten 2002 die MobilTel für knapp eine Milliarde weniger erworben – mit fremdem Geld, versteht sich, nämlich jenem der damals noch in Gewerkschaftsbesitz stehenden BAWAG. Die drei „Zwischenhändler“ – allesamt blendende Netzwerker im „System Rot-Schwarz“ – machten nach Abzug der Unkosten 740 Millionen Euro Gewinn. 2002 wollte die von Schlaff-Freund Heinz Sundt geleitete Telekom Austria die MobilTel nicht kaufen – „wegen rechtlicher Risiken“. 2005 war ihr plötzlich kein Preis dafür zu hoch.

Telekom-Aktionäre um eine Milliarde Euro geschädigt?

Sollte es Absprachen rund um diesen Deal gegeben haben, so wurden die Telekom und ihre Aktionäre – darunter auch der Staat – um eine Milliarde Euro geschädigt. Es gilt auch hier die Unschuldsvermutung, und das schon sehr lange, denn die Justiz interessiert sich nicht für die Vorgänge. Mit dem Banken-Untersuchungsausschuss 2006/2007 wurde all das der Öffentlichkeit bekannt. Es ist in meinem Buch „Pleiten, Betrug und BAWAG“ nachzulesen, das der Staatsanwaltschaft als Sachverhaltsdarstellung nicht konkret genug war, wie sie mir mitteilte. Jetzt könnte es sein, dass die ignorierten Skandale des Systems Rot-Schwarz sozusagen als Kollateralschäden mit behandelt werden müssen. Viel Hoffnung habe ich jedoch nicht. Gorbachs Sekretärin wird das Justiz- und Medienmatch um die Telekom gewinnen, der große Rest wird weiter ruhen.

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