Als Moralapostel nach China, als Arbeitsplatzvernichter zurück

"Österreich – Sinne im Gleichklang" – dieses Motto prägt die aktuelle Präsenz Österreichs in China. Im Zuge der EXPO präsentiert sich unser Land in einem Porzellanpavillon, wirtschaftlich glänzt es durch "Zusammenarbeit", die sich in einer massiven Auslagerung der Industrie und somit auch hunderter Arbeitsplätze ausdrückt. Eine Delegation der heimischen Wirtschaft reiste mit Bundespräsident Heinz Fischer ins Reich der Mitte, um die wirtschaftlichen Beziehungen auf- und auszubauen – die Folgen sind fragwürdig.

Am Dienstag, dem 19.01.2010, landeten Heinz Fischer und eine Delegation hochrangiger Wirtschafts- und Wissenschaftsvertreter im Reich der Mitte. Ziel dieser zweiten großen Staatsvisite innerhalb weniger Monate ist – abgesehen von kulturellen Genüssen – offenbar eine Stärkung des wirtschaftlichen Bandes zwischen China und Österreich. Die Absichten werden in Harmonie und Übereinkunft gepackt, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, was die verstärkte Auslagerung österreichischer Produktionsstätten nach China bedeutet.
 
Bekanntlich trägt China das ultimative Klischee der Billiglohnländer, was Produktion zu Spottpreisen ermöglicht, verglichen mit den durch Steuern und Abgaben zu horrender Größe aufgepumpten Löhnen in unseren Breiten. Doch ein Unternehmen sollte sich mit den Gesetzen und sozialen Vorschriften des Landes abfinden und durch seine wirtschaftliche Stärke sein eigenes Land und somit auch die dazugehörigen Leute fördern – möchte man meinen. Hannes Androsch, Ex-Vizekanzler sowie Miteigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender von AT&S hat eben jenem Unternehmen eine Produktionsstelle in Österreich genommen und die mehr als 1000 Arbeitsplätze nach China verlagert – scheinbar mit gutem Gewissen, wie seine weiterführenden Bemühungen um "wirtschaftliche Zusammenarbeit" auf der Reise mit dem Bundespräsidenten zeigen.
 
Eine Delegation Wirtschaftstreibender, die in eines der fernsten Länder reist, um offenkundig die weitere Auslagerung österreichischer Produktionsstätten zu fördern – unser Präsident scheint zweifellos zu wissen, was das österreichische Volk sich wünscht und dringend braucht. Die Arbeitsplatzvernichter ziehen aus unter dem Banner der österreichischen Sozialdemokratie mit Heinz Fischer als Türöffner und Hannes Androsch als Speerspitze – ausgerechnet jenem Hannes Androsch, dessen politische Karriere in einer Zeit spielte, in der die Kreisky-Regierung noch die Vollbeschäftigung auf die Fahnen geschrieben hatte.
 
Natürlich hatte der Besuch davon abgesehen auch andere Hintergründe: Menschenrechtsfragen, wie die Todesstrafe wurden angesprochen – die Früchte dieser Bemühungen sind mäßig. Auch wenn Österreich Industriestandorte und Arbeitsplätze in ein fernes Land auslagert, scheint dieses keine Interesse zu haben, externe (und in fragwürdigem Grad qualifizierte) Meinungen bezüglich der internen Stabilität und Sicherheit des Landes anzunehmen. Heinz Fischer hat sich das Heldentum in der Verfechtung westlicher moralischer Richtlinien wohl einfacher vorgestellt.

 

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