ÖVP in Wiener Bezirken marginalisiert oder überaltert

OeVPAlle paar Jahre bietet die ÖVP Wien das gleiche Bild. Und das seit nunmehr 25 Jahren. Immer wenn auf Landesebene die innerparteiliche Krise ausbricht, Wahlen verloren werden und Führungsdiskussionen geführt werden, sind die Bezirksorganisationen mit von der Partie. Diese sehen sich als letzte Rückzugsbastionen und Gralshüter zugleich. Doch die Erfolgsgeschichte der Österreichischen Volkspartei ist auch auf Bezirksebene längst vorbei. Man befindet sich auch dort nur mehr in Rückzugsgefechten. Dies zeigen die Statistiken.

2010: ÖVP-Bezirke am Rande der Bedeutungslosigkeit

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Die Bezirke sind für die Wiener ÖVP längst keine Machtbasen mehr.
Foto: sugarmelon.com / flickr (CC BY 2.0)

Sieht man sich die Bezirksvertretungs-Wahlergebnisse 2010 an, dann ergibt sich ein klares Bild. In den bevölkerungsstarken Bezirken ist die ÖVP überall unter 10 Prozent gesunken, so etwa in Simmering (Heimat der intermistischen Obfrau Gabriele Tamandl): 7,77 Prozent; Favoriten: 9,13 Prozent; Rudolfsheim-Fünfhaus: 9,74 Prozent; Brigittenau: 8,5 Prozent; Floridsdorf: 9,4 Prozent oder Donaustadt: 9,5 Prozent. Doch auch in den sogenannten „Hochburgen“ war die Zustimmung bei den letzten Wahlen bescheiden. So wählten etwa in der Inneren Stadt nur mehr 37,95 Prozent, in Hietzing 36,51 Prozent, in Döbling 36,38 Prozent, in Währing 30,63 Prozent, in Wieden 28,13 Prozent und in der Josefstadt 27,53 Prozent die Bezirks-ÖVP. Gerade einmal fünf von 23 Bezirksvorstehern kann man mit solchen Wahlergebnissen noch stellen.

Bürgerliche Wähler seit Jahren abgewandert

Schon seit einem Vierteljahrhundert wandern die Wähler nach links und rechts ab, und zwar zu den Grünen und zur FPÖ. Dies hat zum Verlust der Bezirksvorsteherpositionen in den Bezirken Wieden (2010), Mariahilf (1991), Neubau (1991), Josefstadt (2005-2010) und Alsergrund (1991) geführt. Während Wieden, Mariahilf und Alsergrund in SPÖ-Bezirksvorsteherverantwortung kamen, ist Neubau seit 1991 in der Hand der Grünen. Und die 2005 an die Grünen verloren gegangene Josefstadt konnte auch nur deshalb „zurückerobert“ werden, weil sich die Ökopartei dort 2010 gespalten hatte. Die konkurrierender Grünlisten brachten es gemeinsam auf rund 9 Prozent mehr als die Bezirks-ÖVP.

Kein frischer Wind aus verbliebenen VP-Bastionen

Aber auch die verbliebenen Bastionen des „bürgerlichen Lagers“ in Wien sind längst kein Hort der Erneuerung für die Wiener ÖVP. Lediglich die erst 2010 als Bezirksvorsteherin in der Josefstadt gewählte Veronika Mickel ist mit 33 Jahren eine Nachwuchshoffnung. Heinz Gerstbach hingegen ist seit nunmehr 21 Jahren Bezirksvorsteher in Hietzing und vollendet heuer sein 70. Lebensjahr. Ebenfalls ein Jahrgang 1941 ist Karl Homole, seit 15 Jahren Bezirksvorsteher in Währing. Der Döblinger Adolf "Adi" Tiller zählt bereits 72 Lenze und ist mit 33 Amtsjahren gar der dienstälteste Bezirksvorsteher Wiens. Und auch Ursula Stenzel, erst seit 2005 an der Spitze des 1. Bezirks, wird noch vor der nächsten Wahl den Siebziger erreichen.

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