Im Club 2: Aufschrei der unzufriedenen Linken

Corinna MilbornDie Unzufriedenheit mit der Politik kann man schon lange mit Händen greifen. Sämtliche Umfragen bestätigen sie auch. Der Regierung wird keine Problemlösungskompetenz mehr zugebilligt, sie wird von den Bürgern als stets streitender Haufen wahrgenommen – mit ausgeprägtem Hang zur steuergeldfinanzierten Selbstdarstellung. Doch es ist nicht nur der vielzitierte „kleine Mann“, dem es langsam reicht, auch ehemalige Politiker, die einerseits durch Zeitablauf, andereseits durch die Performance ihrer Nachfolger zu „Grandseigneurs“ geworden sind, formieren sich in einer… ja wie soll man das nennen? Am Mittwochabend im Club 2 werden sie es uns verraten.

Corinna Milborn

Corinna Milborn

Corinna Milborn ist Gastgeberin des Stammtischs der Unzufriedenen.
Foto: Werbeplanung.at – Digital Marketing in Österreich / flickr (CC BY 2.0)

Die Publizität, die der ORF dieser skurrilen Truppe zukommen lässt, ist jedenfalls beachtlich. Gestern durfte der schauspielende Sozialdemokrat Harald Krassnitzer seiner Betroffenheit als Studiogast in der ZiB2 Ausdruck verleihen, morgen diskutiert er mit einigen anderen Unzufriedenen im Club 2. Hannes Androsch, der selbst gerade eine Volksbegehrensinitiative für oder gegen die eigene Partei anführt, darf da nicht fehlen. Ein paar Alt-Politiker des Liberalen Forums nützen die Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen, dass es sie – und sogar das LIF – auch noch gibt: Friedhelm Frischenschlager ist der Redner, Heide Schmidt wird zwar auch als Unterstützerin genannt, glänzte aber bisher mit Abwesenheit.  Die ehemalige rote ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha, der die eigene Partei stets zu rechts war, ist ebenfalls mit von der Partie und – angesichts der Berlin-Wahlen logisch – ein „Pirat“. Mit Corinna Milborn fand sich dafür auch die passende Moderatorin.

In Summe also eine ausgeprägt linke Runde, was nahelegt, dass die Unzufriedenheit in diesem Lager besonders groß ist und es den Protagonisten in Wahrheit nicht um „Mein Österreich“ geht, sondern darum, den politischen Bewegungen im eigenen Lager Beine zu machen. Der Faymann-SPÖ also in erster Linie und den Glawischnig-Grünen, die aus der Altvorderen-Runde die mahnenden Worte des geschassten EU-Politiker Johannes Voggenhuber und von Andreas Wabl über sich ergehen lassen müssen.

Verdeckte Werbung für die aktuelle Regierung?

Vielleicht ist man nach dem Club 2 auch schlauer in der Frage, ob die Protagonisten dieses Projekt tatsächlich ernst meinen oder durch ihre Zusammenrottung nur der aktuellen Regierung neuen Glanz verleihen wollen, indem sie ihr eine noch unsympathischere Runde gegenüber stellen. Auch Michael Jeannée scheint diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn er heute in der Kronen Zeitung an den Bundeskanzler, seine Regierungskollegen und alle Abgeordnete schreibt: „Ich meine, wenn Sie tatsächlich stürzen sollten, dann über Telekom, Eurofigther, Schmiergelder, ORF, Hypo, Buwog, Pilz, Gorbach und Scheibner… aber bitte nicht über Heide Schmidt, Franz Vranitzky, Johannes Voggenhuber, Erhard Busek oder Franz Fischler.“

Für Freunde des unfreiwilligen Humors trotz fehlender realpolitischer Brisanz ein heißer TV-Tipp: Club 2 „Aufschrei der Unzufriedenen – Österreichs Demokratie in der Krise?“, Mittwoch, 28. 9. 2011, 23 Uhr, ORF 2.

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