Parlamentspräsidentin Prammer wird bei der Besetzung des Kommunikationschefs Postenschacher vorgeworfen.

© Parlamentsdirektion / Carina Ott
Rot und Schwarz: Postenschacher feiert fröhliche Urständ’

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ist für die Medien, speziell für den ORF, so etwas wie eine moralische Instanz. Geht was schief im Hause Österreich, wird meist sie gebeten, Wortspenden abzugeben. Sei es zu Korruption, Lobbyismus oder zu Transparenz in der Politik. Doch jetzt steht sie selbst wegen Postenschachers in der Kritik. Bewerber für den Job des neuen Kommunikationschefs im Parlament bezeichnen die Ausschreibung als eine Farce.

Eine Bewerberin für dieses Amt sagte gegenüber Unzensuriert.at: „Hier hat der Postenschacher fröhliche Urständ’ gefeiert.“ Doch der Reihe nach: Gesucht wurde ein Kommunikationschef für das Parlament, weil der bisherige Leiter, Gottfried Marckhgott, in Pension geht. Sollte sich eine Frau für den Job bewerben, so werde sie bevorzugt. So jedenfalls ging aus den Stellenangeboten hervor, die die beiden Personalsuch-Agenturen Aon Hewitt und OSB in ausgewählten Medien schalteten. Daraufhin meldeten sich 65 Kandidaten, die sich einem mehrstufigen Auswahlverfahren stellen mussten. „Ich wurde zu einem Hearing in die Parlamentsdirektion eingeladen, mir saßen acht Leute inklusive Parlamentsdirektor Georg Posch gegenüber“, schildert die Akademikerin das Verfahren.

Ex-Polizist wurde Kommunikationschef im Parlament

Danach war Stille. Keine Antwort. „Plötzlich musste ich in der Presse lesen, dass keiner der 65 Bewerber dem Profil entsprochen hätte“, so die enttäuschte Kandidatin. Es folgte eine neuerliche Ausschreibung der Stelle, diesmal über die Agentur Deloitte. Und siehe da: Plötzlich wurde auch die richtige Person für den Job gefunden. Keine Frau, sondern ein Mann: Rudolf Gollia. Der 49-jährige gebürtige Kärntner, ehemaliger Streifenpolizist und Ex-Pressesprecher der SPÖ-Innenminister Caspar Einem und Karl Schlögl, entsprach zwar nicht exakt dem Anforderungsprofil der Postenausschreibung, aber er hatte wohl das richtige Parteibuch. Als PR-Abteilungsleiter-Stellvertreter unter fünf ÖVP-Ministern im Innenressort habe er sich nicht mehr wohl gefühlt, munkelten Insider. Als Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) das Ressort übernahm, passte es gut, dass ihm eine Parlamentsmitarbeiterin sagte: „Rudi, da wär‘ etwas Interessantes für dich“. Er bewarb sich und bekam den gut dotierten Job. Angeblich ohne aufwändiges Auswahlverfahren und ohne Hearing.

ÖVP-Politiker Matthias Tschirf wird Sektionschef

Wer glaubt, dass es bei den Schwarzen anders zugeht, hat sich getäuscht. Dort wurde für das Wirtschaftsministerium ein Sektionschef gesucht – ebenfalls brav dem Gesetz entsprechend mit einer öffentlichen Ausschreibung des Postens. Doch sofort ging das hartnäckige Gerücht, dass der Wiener VP-Gemeinderat Matthias Tschirf den Job bekommen würde. Und welch Zufall: Tschirf wird jetzt tatsächlich Sektionschef, am 1. November tritt er sein Amt an. Sein Chef heißt Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Dass für Matthias Tschirf ein geeignetes Pöstchen gesucht wird, pfiffen die Spatzen in Wien schon lange von den Dächern. Ihm hat die ÖVP ja übel mitgespielt. Als Christine Marek Parteichefin in Wien wurde, musste er ihr den gut bezahlten Klubobmann-Posten im Rathaus übergeben.

Tschirf: “Verfüge über entsprechende Qualifikationen”

Ob Tschirf den Sektionschef-Posten nun quasi als Wiedergutmachung der Partei für seinen damaligen Verzicht auf den Klubobmann bekommen hat, darüber kann nur spekuliert werden. Er selbst sieht dies keinesgwes so, könne er doch als Leiter der Personalabteilung im Wirtschaftsministerium von 1994 bis 2001 bereits auf Führungserfahrung in der Verwaltung verweisen und sei zudem seit 1984 Beamter, wie er gegenber Unzensuriert.at betont.

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