Peter Krauland: Erfinder der schwarzen Korruption

3. Oktober 2011 - 10:57

BildSPÖ und Grüne versuchen in der politischen Debatte um den nun beschlossenen Untersuchungsausschuss den Eindruck zu erwecken, als sei politische Korruption in Österreich eine Erfindung der Schüssel-Regierung ab dem Jahr 2000. Auch in der ORF-Sendung "Im-Zentrum" zum Thema "Skandale am Pranger" war es nicht anders. Dabei ist der demnächst beginnende U-Ausschuss schon der neunzehnte in der Zweiten Republik. Affären mit klingenden Namen wie Noricum, Lucona, AKH, UNO-City oder Euroteam standen im Mittelpunkt der parlamentarischen Ermittlungen - und am Pranger praktisch immer Politiker jener Parteien, die sich die Macht seit 1945 brüderlich teilen: SPÖ und ÖVP. Unzensuriert.at berichtet ab heute in einer Serie über die spektakulärsten Korruptions- und sonstigen Polit-Affären. Den Anfang mach der Skandal um den ÖVP-Minister Peter Krauland, quasi den Erfinder der schwarzen Korruption.

Peter Krauland

Peter Krauland

Peter Krauland, Minister für Vermögenssicherung
und Wirtschaftsplanung von 1945 bis 1949.
Foto: Parlamentsdirektion

In den Wirren der Nachkriegszeit ab Mai 1945 gab es in Österreich ein großes Vermögen, das eigentums- und besitzlos war. Einserseits das 1938 und in den Folgejahren „arisierte“ jüdische Vermögen, dazu kamen sogenanntes „deutsches Eigentum“ bzw. Firmenanteile, Liegenschaften und Vermögen von belasteten Personengruppen nach den „Entnazifierungsgesetzen“. Die Konzentrationsregierung aus ÖVP, SPÖ und KPÖ und später die ÖVP/SPÖ-Koalition schufen eine Verwaltungsbehörde, die sich um die Verwertung dieser Güter kümmern sollte, das Ministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung. In entsprechenden Berichten wurde diese skandalträchtige Ära schon mehrmals durch Medien wie etwa die österreichische Presse oder den bundesdeutschen Spiegel gewürdigt.

Dieses Ministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung wurde nach zähen Verhandlungen zwischen den Parteien eingerichtet und bekam mit Dr. Peter Krauland einen ÖVP-Mann als Ressortchef. Krauland war ehemaliger Austrofaschist, der nach seiner Ausbildung zum Rechtsanwalt in den Jahren 1934 bis 1938 im Regime Dollfuß/Schuschnigg als steiermärkisches Landesregierungsmitglied Karriere machte. Als Verfolgter des NS-Regimes war er 1945 für die ÖVP der richtige Mann am richtigen Ort. Obwohl er wegen seiner belasteten politischen Vergangenheit weder der russischen Besatzungsmacht noch SPÖ und KPÖ zu Gesicht stand, wurde er durch Bundeskanzler Leopold Figl und Wirtschaftsbundobmann Julius Raab zum einflussreichen Minister gemacht.

Ministerium Krauland als Basis des ersten Nachkriegs-Korruptionsskandals

In den Jahren 1945 bis 1949 hatte Krauland einen ministeriellen Mitarbeiterstab von 679 Personen und dirigierte 13.135 öffentliche Verwalter. Diese öffentlichen Verwalter waren alle durch das Ministerium Krauland bestellt und streng nach dem rot-schwarzen Proporzsystem ausgewählt. Über diese öffentlichen Verwalter zog Krauland vier Jahre lang die Fäden in wesentlichen Bereichen der österreichischen Nachkriegswirtschaft. In ständiger Konkurrenz zu den von den Sowjets beherrschten USIA-Betrieben versuchte Krauland, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln seinen Einfluss in der jungen Zweiten Republik auszubauen.

Misswirtschaft, Postenvergabe und Parteispenden an ÖVP

Wie das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner Ausgabe 8/1951 unter Bezugnahme auf die österreichische Wochenzeitung „Wochenausgabe“ berichtete, wurde nach dem durch die eigene Partei erzwungenen Rücktritt Kraulands nach und nach sein Agieren in Sachen Postenvergabe und Parteispenden bekannt. So soll Krauland damals durch unsachgemäße Verwaltung dem österreichischen Staat einen Milliarden-Schilling-Schaden verursacht haben. Darüber hinaus soll er die "Guggenbacher Papierfabrik" mit einem jährlichen Reingewinn von zwei bis drei Millionen Schilling für lediglich 540 000 Schilling Jahrespacht an einen ÖVP-Parteifreund vergeben haben. Von Krauland öffentlich eingesetzte Verwalter sollen angewiesen worden sein, sich durch Parteispenden erkenntlich zu zeigen. Auch Wohnungen und Autos sollen im ÖVP-Parteifreundeskreis äußerst günstig den Eigentümer gewechselt haben. Gleichzeitig soll sich Krauland auch ein privates Firmenimperium geschaffen haben, das er nach seinem Ausscheiden aus der Politik leitete.

Krauland verurteilt und begnadigt

Nach Bekanntwerden des Skandals und der Aufhebung seiner Abgeordneten-Immunität verließ Krauland die ÖVP, blieb aber „wilder“ Abgeordneter. Er wurde zwar wegen Amtsmissbrauch 1954 durch die Strafgerichte verurteilt, aber auf Grundlage eines Amnestiegesetzes aus dem Jahre 1950 gleichzeitig begnadigt. In den siebziger Jahren machte der Ex-ÖVP Minister noch einmal Schlagzeilen, als die von ihm gegründete und geleitete Allgemeine Wirtschaftsbank in den Konkurs schlitterte.

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