Frauen-Gehaltsrechner liefert Ergebnis unter Mindestlohn

Gabriele Heinisch-HosekDie SPÖ-Frauenrechtlerinnen, inzwischen weithin bekannt für populistische Aktionen, die die Gleichberechtigung fördern sollen, jedoch meist nicht die geringste Wirkung zeigen, haben sich eine weitere Aktion geleistet. Der neueste Wurf der Frauenministerin ist ein "Gehaltsrechner", der die ungerechte Bezahlung einer jeden Frau anzeigen soll – trotz seiner agressiven Bewerbung jedoch nicht nur witzlos, sondern auch fehlerhaft ist.

Gabriele Heinisch-Hosek

Gabriele Heinisch-Hosek

Frauenministerin Heinisch-Hosek kämpft für gerechte Einkommen,
allerdings mit untauglichen Mitteln.
Foto: SPÖ Presse und Kommunikation / flickr

Sollte der Gehaltsrechner überhaupt funktionieren, was bei diversen Versuchen unserer Redaktion nur sporadisch der Fall war ("Diese Webseite ist aufgrund eines Serverumzugs derzeit nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später noch einmal."), zeigt er nach Angabe der Parameter einen Durchschnittswert der Verdiener einer Sparte an. Eine Frau soll so die laut SPÖ allfällige Ungerechtigkeit erkennen, indem sie ihr aktuelles Gehalt mit dem Wert vergleicht, der als Ergebnis aus den Statistiken der Arbeitnehmer ihres Umkreises, der Branche und der Position berechnet wird. Auch der durchschnittliche Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern in ihrer Sparte wird durch einen schicken Prozentsatz mitgeteilt.

Leider führt dies nicht unbedingt zu irgendeiner Form von Gerechtigkeit: Das Tool, das laut Ministerin Heinisch-Hosek "starke Argumente bei Gehaltsverhandlungen" liefern soll, ignoriert das wohl stärkste Argument, das sich ein Arbeitssuchender zunutze machen kann: die Kollektivverträge, wie unser Test eindrucksvoll beweist.

Inserat Gehaltsrechner

Inserat Gehaltsrechner

Unvermeidlich zur Bewerbung: Zeitungsinserate.
Foto: Unzensuriert.at

Eine 20jährige HTL-Absolventin im IT-Bereich bereitet sich auf ein Vorstellungsgespräch als Vollzeit-Netzwerkadministratorin in einem Unternehmen der Branche "Information und Kommunikation" mit weniger als 10 Mitarbeitern vor. Im Gehaltsrechner wählt sie dafür die Bezeichnung "höhere Tätigkeit". Der Rechner präsentiert ihr als Ergebnis, dass Frauen durchschnittlich 1696 Euro brutto monatlich verdienen, wobei das Gehalt mit 95%iger Sicherheit zwischen 1634 und 1761 Euro liegen soll. Männer, so wird als Zusatzinformation geboten, verdienen in diesem Job um 8 Prozent mehr als Frauen.

Zielgehalt liegt 711 Euro unter dem Kolektivvertrag

Selbstbewusst, wie die junge Dame ist, will sie den Höchstbetrag und den Männervorteil gleich dazu, das wären dann also noch 4 % mehr als die 1761 Euro, somit stolze 1831 Euro. Bevor sie zum Vorstellungsgespräch geht, wirft sie vorsichtshalber noch einen Blick in den Kollektivvertrag für Angestellte von Unternehmen im Bereich der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik – und erlebt eine gehörige Überraschung:

Gehaltsrechner

Gehaltsrechner

Das Ergebnis der Berechnung liegt weit unter dem gültigen Kollektivvertrag.

Die Netzwerkadministration wird dort als spezielle kaufmännische, technische oder IKT-Tätigkeit (ST2) eingestuft. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt liegt in der "Einstiegsstufe" bei 2542 Euro brutto monatlich, mit etwas Berufserfahrung würde die HTL-Absolventin in der "Regelstufe" sogar 2884 und in der "Erfahrungsstufe" 3402 Euro bezahlt bekommen. Im Gegensatz zum Rechner des Frauenministeriums ist es für den Kollektivvertrag irrelevant, wie viele Mitarbeiter in einem Unternehmen beschäftigt sind.

Mit feministischem Selbstbewusstsein aus dem Hause Heinisch-Hosek aufgeputscht, hätte sich unsere Netzwerkadministratorin also voll Stolz ein Gehalt von 711 Euro unter dem kollektivvertraglichen Mindestlohn ausverhandelt.

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