Leopold Helbich

Parlament
Der versuchte Meinungskauf des ÖVP-Politikers Helbich

Die Inseraten-Affäre um Kanzler Faymann und Staatssekretär Ostermayer ist derzeit in aller Munde. Auch der ehemalige SPÖ-Innenminister Franz Olah stolperte über Ähnliches. Wegen finanzieller Zuwandungen an Medien aus Gewerkschaftsmitteln musste er in den sechziger Jahren acht Monate in Haft verbingen. Glimpflicher endete der Versuch des Meinungsaufs für den ÖVP-Abgeordneten Leopold Helbich.

Der 1926 geborene Leopold Helbich machte die typische Karriere eines ÖVP Partei- und Wirtschaftskammerfunktionärs. Schon Mitte der fünfziger Jahre stieg er die Karriereleiter in Wirtschaftskammer und Wirtschaftsbund hinauf. Das verschaffte ihm bereits 1955, knapp 29-jährig, ein Bundesratsmandat. Daneben folgte die Ernennung zum stellvertretenden Landesobmann des oberösterreichischen Wirtschaftsbundes.

Steinmetzmeister, Schotterwerkunternehmer und Standesvertreter

Als Tiefbauingenieur und gelernter Steinmetzmeister heiratete Helbich in die oberösterreichische Schottwerksdynastie Poschacher ein. Unternehmerisch höchst erfolgreich, übte er jahrelang die Position des Fachverbandsvorsitzenden der Stein- und keramischen Industrie, den Vorsitz der Vereinigung der Österreichischen Natursteinwerke und das Präsidentenamt des Verbandes der Europäischen Baustoffhersteller aus.

Wirtschaftsbündler, Nationalrat und ÖVP Kuriermiteigentümer

Seine Karriere als Standesvertreter war die Grundlage dafür, dass Helbich 1962 für die ÖVP Oberösterreich in den Nationalrat gewählt wurde. Hinter den Kulissen wurde der Unternehmer Poschacher in der ÖVP erste Adresse für Sonderaufträge. In einer Zeit, wo der SPÖ-Gewerkschaftspräsident und Innenminister Franz Olah die Kronen Zeitung unterstützte, mischte Leopold Helbich als stiller Gesellschafter in der Konkurrenzzeitung Kurier finanziell und politisch kräftig mit. Helbich vermittelte zwischen dem Kurier-Eigentümer Ludwig Polsterer und der ÖVP einen Vertrag, laut dem sich der Kurier in grundsätzlichen Fragen an der Linie der ÖVP zu orientieren hatte.

100.000 und wir reden nicht mehr darüber?

Dieses Medienengagement war auch die Basis für Helbichs zweifelhafte Vorgangsweise im Jahr 1975. Am 27. August 1975 rief Helbich den Krone-Journalisten Georg Nowotny zu sich und soll diesem für „Wahkampftipps“ den Betrag von 100.000 Schilling mit den Worten „Hundert – und wir reden nicht mehr drüber“ angeboten haben. Der Redakteur wertete dies im laufenden Wahlkampf als Bestechungsversuch und brachte diesen prompt an die Öffentlichkeit. Helbich musste daraufhin sein Nationalratsmandat aufgeben. Aber die ÖVP konnte oder wollte auf ihren jahrzehntelangen Förderer und mächtigen Wirtschaftskammerfunktionär nicht verzichten. Bereits 1979, als etwas Gras über die Sache gewachsen war, zog Helbich neuerlich in den Bundesrat ein. Und 1983 bis 1991 erhielt der Multifunktionär wieder ein ÖVP-Nationalratsmandat.

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