Neue Öffi-Tarife entpuppen sich als Mogelpackung

Straßenbahnen Zu früh gefreut. Nach der medienwirksamen Verkündigung von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), das Öffi-Fahren in Wien für Jahres- und Monatskartenbesitzer billiger zu machen, stellt sich jetzt heraus: Die Reform ist eine Mogelpackung, weil die Tarife an den Preisindex gekoppelt wurden. Die Tickets werden somit Jahr für Jahr teurer. Nicht nur das: Mit der Koppelung an den Preisindex wird die allgemeine Teuerungsspirale nach oben getrieben.

Straßenbahnen

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Das Straßenbahn- und U-Bahnfahren kommt vielen Wienern im Jahr 2012
sogar teurer als in diesem Jahr.
Foto: dugspr — Home for Good/Flickr/(CC BY-NC 2.0)

FPÖ-Stadtrat Eduard Schock befürchtet, dass die rot-grüne Stadtregierung mit der Koppelung der Tarife an die allgemeine Teuerung den Freibrief bekommen habe, die Bevölkerung wie bei anderen Gebühren „nach Belieben schröpfen zu können“. Von einem „Tarifschmäh“ und „großen Kundenhäkel“ spricht FPÖ-Verkehrssprecher Toni Mahdalik, weil die neuen Öffi-Preise erst ab Mai 2012 gelten und Barzahler sich zuvor mit Monatskarten versorgen müssten. Von Jänner bis April wären das vier Monatskarten und Ausgaben in Höhe von 198 Euro. In diesem Fall würde der Öffi-Fahrer samt Jahreskarte zum Preis von 365 Euro insgesamt 563 Euro ausgeben, viel mehr als 2011.

Mahdalik: Fahrgäste wie Christbäume abgeräumt

Damit würden die Wiener Linien ein Körberlgeld von bis zu zehn Millionen Euro machen und die Fahrgäste vor dem Inkrafttreten der Tarif-Reform wie Christbäume abräumen, sagt Mahdalik. Denn die meisten barzahlenden Kunden besitzen von Jänner bis Dezember gültige Jahreskarten und müssen sich daher zu Beginn 2012 wieder eine Netzkarte zulegen. Um 449 Euro wie bisher und nicht um 365 Euro, wie von der rot-grünen Stadtregierung feierlich angekündigt.

Da auch Wochenkarten sowie Einzelfahrscheine merklich teurer werden und das Schwarzfahren mit 100 statt bisher mit 70 Euro bestraft wird, darf bezweifelt werden, dass die Tarif-Reform der Stadt Wien tatsächlich 30 Millionen Euro pro Jahr kostet. Für Querfinanzierungen haben Häupl und sein Team trotzdem gesorgt. Allein die Erhöhung der Wassergebühr um 33 Prozent wird viele Millionen Euro in die Stadtkasse fließen lassen. Dieser Preiswucher tritt mit 1. Jänner 2012 in Kraft. Dann werden die Wiener pro Kubikmeter Wasser statt bisher 1,30 satte 1,73 Cent bezahlen müssen. Für das Abwasser erhöht sich der Preis von 1,78 auf 1,89 Cent. Die Wassergebühr ist übrigens, wie Unzensuriert.at auf Nachfrage bei der zuständigen Magistratsabteilung 31 herausfand, nicht mit dem Preisindex gekoppelt. Die Gebühr unterliege dem Valorisierungsgesetz, heißt: wenn die Inflationsrate über drei Prozent steigt, was heuer der Fall ist, muss eine Preisanpassung erfolgen.

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