WBO-Skandal: Sechs Jahre Haft für ÖVP-Genossenschafter | Unzensuriert.at

WBO-Skandal: Sechs Jahre Haft für ÖVP-Genossenschafter

18. Oktober 2011 - 23:43

Wohnbaugenossenschaft OstAnfang der achtziger Jahre rollte auf die österreichische Innenpolitik aus der pannonischen Tiefebene ein Skandal der Sonderklasse zu. Wieder einmal war eine Wohnbaugenossenschaft die Basis für Misswirtschaft, Korruption und Parteipolitik. Involviert waren die ÖVP-Landesparteien Burgenland und Niederösterreich. Und am Ende stand ein Schaden von 500 Millionen Schilling fest. Der WBO-Skandal erschütterte das Burgenland nachhaltig.

Macher Rauchwarter steigt in Politik und Wirtschaft auf

 

Wohnbaugenossenschaft Ost

Die Bau- und sonstigen Tätigkeiten der WBO hinterließen einen
Gesamtschaden von 500 Millionen Schilling.
 
foto: MRKB / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Ernst Rauchwarter war eine der politischen Nachwuchshoffungen in der ÖVP Burgenland. Nach Ausbildung und Studium machte er in den sechziger und siebziger Jahren einen steilen Aufstieg in Politik und Wirtschaft. Ursprünglich in der Bauindustrie tätig, wurde er bereits im Alter von 27 Jahren Landesbeamter im Tiefbaubereich. Parallel stieg er als ÖVP-Funktionär in die Gemeinde- und Landespolitik ein. Bereits 1972 zog er in den burgenländischen Landtag ein. Neben seiner Landesbeamtenkarriere betrieb er auch eine eigene Druckerei. Und 1974 folgte seine Bestellung zum Vorstand der Wohnbaugenossenschaft Ost (WBO), einer im ÖVP-Umfeld angesiedelten Firma, die sowohl im Burgenland, als auch in Niederösterreich im genossenschaftlichen Wohnbau sehr umtriebig war.

500 Millionen Schilling Schaden produziert

Unter der Schirmherrschaft des damaligen ÖVP-Landesparteiobmanns Franz Sauerzopf wurde Rauchwarter immer einflussreicher und mächtiger. Und auch sein Lebensstil wurde immer exklusiver. 1982 platzte der Skandal rund um die WBO. Die Basis dafür waren kriminelle Machenschaften, es wurden Genossenschaftsgelder abgezweigt und in ein Netzwerk privater Firmen investiert. Zusätzlich wurden schwere Managementfehler in der WBO gemacht, und auch der Verdacht der Parteienfinanzierung im Burgenland und in Niederösterreich stand auf der Agenda der Ermittlungen. Via Inserate waren Genossenschaftsgelder an das Niederösterreichische Volksblatt, dessen Chefredakteur Landesparteisekretär Walter Zimper war, geflossen. Am Ende ging man von einem Schaden von rund 500 Millionen Schilling aus.

Rauchwarter wurde verhaftet und verlor alle seine Funktionen, sein ÖVP-Landesparteiobmann Ferdinand Sauerzopf musste ebenfalls zurücktreten, und auch der niederösterreichische ÖVP-Landesparteisekretär und Landtagsabgeordnete Walter Zimper nahm den Hut. Sein Landesparteiobmann, der niederösterreichische Landeshauptmann Siegfried Ludwig, wies hingegen jede persönliche Involvierung und Kenntnis der Vorgänge zurück.

ÖVP Politiker Rauchwarter bekam sechs Jahre Haft

Rauchwarter musste neben weiteren 17 Beschuldigten auf die Anklagebank. Er erhielt schlussendlich sechs Jahre Haft für seine umfangreichen kriminellen Handlungen an der Schnittstelle zwischen Politik und öffentlichem Wohnbau. Der ÖVP-Politiker Sauerzopf kehrte nach drei Jahren wieder als burgenländisches Landesregierungsmitglied zurück, sein Ziel, Landeshauptmann zu werden, versagten ihm aber die Wähler. Und Walter Zimper durfte sein politisches Altenteil als Bürgermeister in Markt Piesting und Vizepräsident des Österreichischen Gemeindebundes bis 2007 genießen.

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