Der Fall Lucona: Alles begann im roten Club 45

25. Oktober 2011 - 7:59

 Nach der Regierungsübernahme durch Bruno Kreisky und die SPÖ Anfang der siebziger Jahre zeigte sich bald das gesellschaftspolitische Vakuum, das man nach Großer Koalition und ÖVP-Alleinregierung vorgefunden hatte. Dies war die Basis für eine Gruppe von Personen, im Windschatten der SPÖ in Gesellschaft, Kultur, Staat und Wirtschaft aufzusteigen. Damals nannte es die Partei in ihren Wahlslogans „Ein Stück des Weges mit der SPÖ gehen“ . Viele dieser Karrieren endeten in politischen Skandalen und Affären bis tief hinein ins Strafrecht. Man denke an Bauring, AKH oder eben Lucona. Das Zeitalter für Glücksritter der besonderen Art war angebrochen.

Udo Proksch als roter Netzwerker

Schiffswrack

Schiffswrack

Udo Proksch sprengte sein Schiff, sechs Menschen starben.
Foto: Robert.raderschatt / Wikimedia / public domain

Einer dieser Glücksritter war Udo Proksch. Der Designer und Geschäftsmann fand durch die Heirat mit der linken Wiener Schauspielerin Erika Pluhar in die SPÖ-Kreise der Bundeshauptstadt Eingang. Dies nützte er für seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg. Als er 1972 in die Geschäftsführung der k.k. Hofzuckerbäckerei Demel eintrat, schuf er sich dadurch auch eine gastronomische Basis für sein umtriebiges Wirken. Er gründete dort für die SPÖ-Elite in Politik und Wirtschaft mit dem Club 45 eine logenartige Vereinigung, wo man sich regelmäßig zu vertraulichen Zusammenkünften traf. Die Mitgliederkartei in den siebziger Jahren las sich wie das Who is Who der SPÖ. Noch Jahrzehnte später widmete der Regisseur Robert Dornhelm dem Treiben einen Film.

Club 45 als Basis der Lucona-Affäre

Der Club 45 diente Proksch in weiterer Folge auch als Refugium für seine kriminellen Machenschaften. So plante er 1976 einen Versicherungsbetrug zu Lasten der ÖVP-nahen Bundesländer-Versicherung. Ob ein Teil des Geldes für die Finanzierung späterer Wahlkämpfe - Stichwort "G'schichten vom Dr. Kreisky" - gewidmet war, konnte bis heute nicht ganz ausgeschlossen werden. Proksch charterte damals das Schiff Lucona, die von ihm organisierte Ladung bestand aus Industrieschrott im Gesamtwert von damals rund einer Million Schilling. Versichert wurde die Ladung jedoch auf 212 Millionen Schilling. Proksch deklarierte das Transportgut als Uranaufbereitungsanlage. Von Anfang an war die Versenkung des Schiffes geplant.

Mord und Versicherungsbetrug

Nachdem die Lucona am 2. Jänner 1977 aus einem italienischen Hafen ausgelaufen war, wurde sie drei Wochen später mittels Zeitzünder und Sprengstoffs aus Bundesheerbeständen im Pazifik gesprengt. Dabei sank nicht nur das Schiff inklusive Ladung, sondern es kamen auch sechs Besatzungsmitglieder zu Tode. Nachdem sich die Bundesländer-Versicherung geweigert hatte, die Schadenssumme zu zahlen, kam der Skandal Mitte der Achtziger ins Rollen. Derr Enthüllungsjournalist und spätere FPÖ-Nationalratsabgeordnete Hans Pretterebner und der Wochenpresse-Redakteur Gerald Freihofner deckten die Netzwerke rund um Proksch, den Club 45 und den Untergang der Lucona auf.

Flucht, Rücktritte, Prozess und Tod

Insgesamt zog sich die Aufklärung der Lucona-Affäre 15 Jahre lang hin. Zug um Zug wurde die Involvierung der Club-45-Mitglieder Leopold Gratz und Karl Blecha sowie des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Verteidigungsministers Karl Lütgendorf ans Licht gebracht. Proksch entzog sich 1985 durch Flucht den Ermittlungen und wurde erst 1991, nachdem er sich einer Gesichtsoperation zur Verschleierung seiner Identität unterzogen hatte, auf dem Flughafen Wien verhaftet. Es kam zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, Pretterebners Buch "Der Fall Lucona. Ost-Spionage, Korruption und Mord im Dunstkreis der Regierungsspitze" wurde ein Bestseller. Die SPÖ-Repräsentanten Gratz und Blecha schieden aus der aktiven Politik aus, nachdem sie bei der Aufklärung Parteilichkeit an den Tag gelegt hatten. Proksch wurde 1992 zu lebenslanger Haft verurteilt, sein Komplize Hans-Peter Daimler zu 17 Jahren. Proksch starb 2001 in Haft. Und die SPÖ tat so, also ob sie Proksch nie wirklich gut gekannt hätte.

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