Deutsch als Fremdsprache der Europäischen Union

Die deutsche Sprache ist die meistgesprochene Muttersprache der Europäischen Union. Dennoch führt sie dort ein stiefmütterliches Dasein gegenüber dem Englischen und Französischen. Obwohl genauso Amtssprache, werden immer weniger offizielle Dokumente auch ins Deutsche übersetzt.

Für Margarete Hauschild, Direktorin des Goethe-Instituts in Madrid, liegt das daran, dass die erste Generation der deutschsprachigen Beamten aus historischen Schuldgefühlen heraus die deutsche Sprache auf EU-Ebene nicht durchsetzte. Anstatt sich endlich auf die Hinterbeine zu stellen, nehmen viele Politiker aus Österreich und der Bundesrepublik Deutschland das fehlende Deutsch in Kauf und greifen sogar selbst in ihren Reden auf Fremdsprachen zurück – oft ohne Rücksicht auf die eigenen Kenntnisse.

"Überangepasste Europaabgeordnete versuchten von sich aus immer häufiger, vermeintliche Zeichen von Weltmännischkeit zu setzen und schwingen ihre Reden auf Englisch beziehungsweise – wie die Grüne Lunacek – gleich auf Spanisch. Entweder will man beweisen, wie gut die Fremdsprachenausbildung in Österreich und Deutschland ist oder man schämt sich der deutschen Sprache", kritisiert der freiheitliche EU-Abgeordnete Franz Obermayr. Ganz anders die Franzosen: Sie setzen schon nach ersten Anzeichen eines Trends hin zum Englischen Maßnahmen zum Schutz ihrer Sprache. Obermayer will nun weitere deutschsprachige Abgeordneten-Kollegen für eine Kampagne „pro Deutsch in der EU“ gewinnen.

In der Pflicht sind übrigens auch die österreichischen Regierungsmitglieder, denn sie wurden vom Nationalrat einstimmig per Entschließungsantrag aufgefordert, sich auf EU-Ebene für eine gleichberechtigte Verwendung der deutschen Sprache als Verfahrenssprache neben Englisch und Französisch einzusetzen. Gelegenheit dazu hätte jeder einzelne Minister bei den Zusammenkünften des Rats. Leider denkt keiner daran beim luxuriösen Abendessen und hält seinen Smalltalk weiterhin in der Fremdsprache, die er am besten kann.

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