Kaiserlicher Humor mit der Brechstange

Was derzeit auf YouTube grassiert, zeigt wieder einmal, was im ORF als Humor angesehen wird: das Herunter- und Verächtlichmachen von Menschen, deren Gesinnung nicht genehm ist. Und wenn schon diverse Unterhaltungsformate wegen geistiger Unterbelichtung reihenweise den Bach runtergehen, so glaubt man mit einer Sendung  „Wir sind Kaiser“ den Vogel abgeschossen zu haben. Das Konzept besteht darin, verschiedene Prominente einem vertrottelten Kaiser (dargestellt vom ORF-Staatskünstler Palfrader) zur Audienz vorzuführen, und natürlich – es handelt sich ja um Kabarett – soll dabei gelacht werden. Oft müssen die Gastgeber dazu wenig beitragen, weil viele Gäste schon von sich aus (unfreiwillig) komisch sind. Bei anderen wird heftig nachgeholfen mit vorbereiteten Filmchen und brachialen Sprüchen.

Vor einigen Wochen hat der Bundesparteiobmann der FPÖ HC Strache als Gast dieser fragwürdigen Sendung – und von Beruf nicht Kabarettist – wirklich Humor bewiesen – getreu dem Motto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Gut zwanzig Minuten hat der Staatskomödiant Strache mit kalauerhaften Plattitüden bedacht, ist in die unterste Schiene der Verspottung geraten und hat auch vor persönlichen Beleidigungen nicht halt gemacht. Zugute halten kann man diesem Schauspieler nur, dass möglicherweise nichts auf seinem eigenen Mist gewachsen ist. Für den Text zeichnet ein gewisser Rudi Roubinek – einst "Politikwissenschaftsstudent mit revolutionären Ansichten" – verantwortlich, der in der Sendung den ergebenen Diener Seyffenstein gibt. Allerdings hat man an der utrierten Ausdrucksweise dieses „Kaisers“ gemerkt, was es für einen Spaß macht, auf einen stets freundlich lächelnden Strache hinzuhacken. Zum Glück ist der Bürgermeisterkandidat bald draufgekommen, dass auch heitere Argumentation hier keinen Sinn hat und hat einfach gute Miene zum bösen Spiel gemacht.

Freilich, auch wenn diese Sendung irgendwo nächtens im ORF verborgen ist, die Absicht ist eindeutig. Da der Staatsfunk seine gesamte Humorschiene auf links programmiert hat, muss man einen Politiker des anderen Lagers desavouieren. Am besten mit der Holzhammermethode, denn das garantiert die meisten Lacher. Ein Farkas hätte sich im Grabe umgedreht, aber heute geht es nicht mehr um subtilen Humor, geistreiche Pointen oder einfach um guten Witz. Heute wird über andere gelacht, und am liebsten über Andersdenkende.

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