Bela Rabelbauers Kofferspende für marode ÖVP | Unzensuriert.at

Bela Rabelbauers Kofferspende für marode ÖVP

2. November 2011 - 23:03

Das Wahljahr 1979 war für die Österreichische Volkspartei alles andere als einfach. Sonnenkönig Bruno Kreisky setzte zum vierten Mal an, einen Wahlsieg einzufahren. Die ÖVP saß seit nunmehr guten neun Jahren auf den harten Oppositionsbänken. Als man 1970 als Zweiter hinter der SPÖ ins Ziel ging, glaubte die machtbewusste ÖVP an einen kurzfristigen Irrtum der österreichischen Wähler. Trotz mehrfachem Obmannwechsel konnte sie jedoch gegen die SPÖ nicht punkten. Zudem war mit dem erfolgreichen Grazer Bürgermeister Alexander Götz auch bei der FPÖ ein attraktiver Kandidat im Rennen. Die Kassen der ÖVP waren zu allem Überdruß leer, waren ihr doch nach vielen Jahren Opposition die Kanäle in die öffentliche Wirtschaft und den staatsnahen Bereich auf Bundesebene verschlossen. Als die Wahl 1979 abermals verloren ging, griff man nach jedem Strohalm, der nach einem potentiellen Verbündeten aussah.

Bela Rabelbauer als schillerender Unterstützer

Schwarze Männer

Vor diesem Hintergrund war der ÖVP fast jedes Mittel recht, um den eigenen Aktionsradius zu verbreitern. Dies war die Basis dafür, dass man in alle Richtungen hin Verbündete suchte. Genau hier setzte der Geschäftsmann Bela Rabelbauer an. Der ehemalige Priesterseminarist mit ungarischen Wurzeln betrieb 1979 ein weitverzweigtes Unternehmensnetzwerk von seinem damaligen Wohnort Fußach am Bodensee aus. Neben dem Düngemittelhandel hatte es Rabelbauer das internationale Finanzgeschäft angetan. Dies führte unter anderem bereits Mitte der siebziger Jahre zu einem Bericht über Rabelbauer und seine Geschäfte mit der Hessischen Landesbank. So legte er ab 1973 insgesamt 17 Millionen Mark bei dieser Bank an und verstieß damit gegen eine Reihe von devisenrechtlichen und steuerrechtlichen bundesdeutschen Bestimmungen. Es kam zu Ermittlungen gegen Rabelbauer und seine damaligen Handlanger in der BRD und der Schweiz.
 

Rabelbauers ominöse Bürgerforum und dessen Spende

Obwohl das Thema durch die bundesdeutschen Gazetten gegangen war, wurde diese Historie offensichtlich durch das ÖVP-Management großzügig übersehen. Rabelbauer erschien im Herbst
1979 beim damaligen ÖVP-Bundesgeschäfsführer Kurt Bergmann
 und gab sich als Lobbyist eines „Vorarlberger Bürgerforums“ aus. Er bot der ÖVP einen Gesamtbetrag von nicht weniger als 10 Millionen Schilling, d.h. heute 727.000 Euro als Unterstützung. Bedingung für die Leistung dieses Betrages: Dem „Vorarlberger Bürgerforum“ müssten zwei Nationalratsmandate bei einem zukünftigen Wahlgang zugesprochen werden. Den ersten Teilbetrag von vier Millionen Schilling hatte Rabelbauer sogar mit und übergab diesen in den Räumlichkeiten des ÖVP-Parlamentsklubs an Bergmann und ÖVP-Bundesparteiobmann Alois Mock. Und das alles in einem roten Aktenkoffer.

Rote Arbeiterzeitung deckte Affäre auf

Rabelbauers Aktion in Richtung ÖVP blieb nicht unentdeckt. Einige Monate später deckte das damalige SPÖ-Zentralorgan Arbeiterzeitung die Parteispende an die ÖVP auf. Diese musste zerknirscht den Sachverhalt gegenüber der Öffentlichkeit zugeben und zahlte die erste Rate von vier Millionen an Rabelbauer zurück. Inzwischen war, nicht zuletzt durch die SPÖ die österreichische Öffentlichkeit auch über Rabelbauers bisheriges unternehmerisches Wirken aufgeklärt worden. Ob das Geld aus illegalen Transaktionen Rabelbauers stammte, wurde nie bis ins letzte Detail nachgewiesen.

Rabelbauer holt seine kriminelle Vergangenheit ein

Obwohl Rabelbauer versuchte, sich in Folge von der Öffentlichkeit fern zu halten, holten ihn seine Finanzdelikte aus den vergangenen Jahren ein. Nach umfangreichen Ermittlungen der Finanz- und Strafbehörden wurde Bela Rabelbauer 1988 wegen schweren Betrugs und einer Reihe von Finanzstrafdelikten zu insgesamt siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er flüchtete nach dem Absitzen einer Teilstrafe ins Ausland und hielt sich insgesamt sechs Jahre versteckt. Erst 1994 konnte er in Thailand verhaftet und zwei Jahre später an Österreich ausgeliefert werden.

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