Virtuose, Wohltäter, Frauenheld: 200 Jahre Franz Liszt

BildAm heutigen 22. Oktober jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des großen Komponisten und Virtuosen Franz Liszt. Er gilt für die Musikliebhaber, Tonträger-Produzenten, Orchester, Konzerthäuser und Veranstalter als „Jahresregent“. Heuer wird dieser außergewöhnliche Künstler, dem im europäischen Musikhaus ein Ehrenplatz gebührt, besonders gewürdigt und oft aufgeführt. Es ist zu hoffen, dass der Nachhall über das Jubiläumsjahr hinaus anhalten wird. Eine Würdigung des großen Komponisten aus dem aktuellen Unzensuriert-Magazin.

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„Die Natur hat einen Pianisten hervorgebracht“, kommentierte der Wiener Musiklehrer Karl Czerny begeistert das Spiel seines Schülers Franz Liszt, der jedes beliebige Stück vom Blatt spielen und atemberaubend improvisieren konnte. Czerny, der berühmteste Schüler Beethovens, lehnte ob dieser Begeisterung eine Honorierung des Unterrichtes ab.

Als Czerny sich als Lehrer für so ein Genie an der Grenze des Könnens wähnte, empfahl er ihm, seine Ausbildung am Pariser Konservatorium fortzusetzen. Der Klavierbauer Sébastian Erard stattete den jungen Pianisten mit seinem neuesten Flügel aus, dessen Mechanik die schnellsten Korrepetitionen möglich machte. Liszt spielte sich damit in die Herzen des Publikums und der Kritiker. Da war zu lesen: „Seit gestern abend glaube ich an Wiedergeburt […] Er ist der leibhaftige Mozart. Seine winzigen Arme reichen kaum bis zu den Enden der Tastatur, seine Füße können nur mit Mühe die Pedale berühren […] und dennoch ist er der größte Pianist Europas.“

Franz Liszt

Franz Liszt

Franz Liszt spielte sich früh in die Herzen des Publikums.
Bild: Miklós Barabás / Wikimedia / public domain

Das fragile Bürscherl wuchs natürlich heran und wurde als Pianist zu einer Ikone der Virtuosen, jener musikalischen Selbstdarsteller, die wie Besessene spielten und ihr (vor allem weibliches) Publikum während der Tournee-Konzerte im Sturm eroberten und sogar in Ohnmacht fallen ließen. Die Rock- und Popmusiker des 20. Jahrhunderts haben also berühmten Vorfahren.

Auch Liszt war bekannt dafür, dass er sich der weiblichen Verehrerinnen sehr intensiv annahm. Seine Affären hatten auch Liszts Lebenspartnerinnen Marie d'Agoult – die ihm drei Kinder gebar – und Fürstin Caroline zu Sayn-Wittgenstein auszuhalten. Kein Wunder bei so einer märchenhaften Ausstrahlung, wie sie Hans Christian Andersen nach einem Konzert in Hamburg festhielt:

„Wie ein elektrischer Schlag fuhr es durch den Saal, als Liszt hereintrat, die Mehrzahl der Damen erhob sich, und ein Sonnenglanz verbreitete sich auf jedem Gesicht, so als begrüßten alle Augen einen lieben, teuren Freund …“

Soziales Engagement für Hochwasser-Opfer

Dieser „sinnliche“ Liszt war aber durchaus in Einklang zu bringen mit seiner tiefen Religiosität sowie mit seinem sozialen Engagement für Notleidende, das er sich als Bestverdiener natürlich auch leisten konnte. Als zum Beispiel Ungarn von einem Hochwasser heimgesucht wurde, spielte er mehrere Benefizkonzerte, um mit dem Erlös den Opfern zu helfen.

Franz Liszt hat als Klavierpädagoge, Dirigent, Intendant und natürlich als Komponist seine Zeitgenossen und die Nachwelt reich beschenkt: Allen voran mit 123 Klavierwerken wie der berühmten h-moll-Sonate, 23 Orchesterwerken, geistlichen und weltlichen Chorwerken, Kompositionen für Klavier und Orchester, Orgelwerken oder auch mit 335 Arrangements und Transkriptionen.


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