Die Zinskatze beißt sich in den Schwanz

Seit dem gerade noch abgewehrten Kollaps Dubais sind Staatspleiten in den Horizont des Möglichen gerückt – umso mehr angesichts der aktuellen Schieflage des Euro-Mitglieds Griechenland. Die Unsicherheiten haben dazu geführt, dass es an den Märkten erstmals teurer ist, sich gegen den Ausfall europäischer Staaten abzusichern, als gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens mit Top-Bonitätsnote.

Den jeweiligen Indices zufolge sorgen sich Anleger mehr um das Ausfallsrisiko von Staatsanleihen als um die Zahlungsfähigkeit von Großkonzernen. So notiert der iTraxx Europe, der das Anlagerisiko bei den 125 größten Unternehmen Europas beschreibt (oder beschreiben soll), bei 77,80 Punkten. Der SovX-Index, der das kumulierte Risiko von Staatsanleihen bei 15 europäischen Staaten beschreibt, rangiert bei 83,90 Punkten. Es kostet folglich 5500 US-Dollar mehr, Staatsanleihen in der Höhe von zehn Millionen Dollar für fünf Jahre zu versichern, als dasselbe Volumen an Verbindlichkeiten von Großkonzernen.

Kurz gefasst wird die kumulierte Bonität von großen Volkswirtschaften wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland angesichts der aktuellen Budgetzahlen niedriger bewertet als jene von europäischen Großunternehmen. Anleihespezialisten gehen davon aus, dass Wertpapiermärkte in diesem Jahr sensibler auf Konjunkturdaten und –prognosen reagieren werden als auf die Ergebnisse von Unternehmen.

Aufgrund der enormen Staatsverschuldung nahezu aller europäischen Volkswirtschaften, die sich im Zusammenhang mit der Krise wesentlich erhöht hat und auf absehbare Zukunft auch weiter in beträchtlichem Umfang erhöhen wird, könnte dieser Umstand gravierende Folgen haben. Sinkt die Bonität, steigen die Zinsen. Zinszahlungen beanspruchen bereits jetzt einen großen Teil des Budgets und verringern damit den Spielraum der betroffenen Staaten, positiv – etwa durch steuerliche Entlastungen – in das Wirtschaftsgeschehen einzugreifen. Notwendige Investitionen müssen daher auf die lange Bank geschoben werden, weitere Probleme sind die Folge und die Katze des wirtschaftlichen Abschwungs beißt sich in den Schwanz.

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