Tagsüber in der Schule, nachts in der U-Bahn, dazwischen vom Blockwart beschützt

Mit zwei lachenden Augen kommentiert der Wiener Bürgermeister den sieben Millionen Euro Steuergeld teuren Zwischenwahlkampf seiner SPÖ. Allerdings haben nicht einmal ein Viertel der Wiener Wahlberechtigten den ungeheuren Werbeaufwand gewürdigt und ihre Stimme abgegeben. Selbst in roten Hochburgen wie Rudolfsheim-Fünfhaus oder Meidling wurde gerade einmal eine Beteiligung von etwas über 20 Prozent erreicht und in den Bezirken Hernals oder Währing hat sich nicht einmal ein Fünftel erweichen lassen, diese plumpen Nona-Fragen zu beantworten.

Kommentar von Unzensurix

Freilich hat der Herr Bürgermeister gepoltert, dass das Ergebnis bindend ist. Also wird das neue Berufsbild Hausbesorger kommen. Eigenartig ist nur, dass dieser Wahlkampfschmäh wirklich gezogen hat, denn Hausbesorger konnten nach geltender Rechtslage schon bisher angestellt werden. Aber wahrscheinlich möchte die SPÖ jenen Privilegienrittern der Gemeinde Wien, die im Jahr 2000 einen Riegel vorgeschoben bekommen haben, zur Renaissance verhelfen. Von der damaligen Bundesregierung ist nämlich nicht der Hausbesorger an sich abgeschafft worden, sondern nur: das Vertretungsrecht ohne Überbindung der arbeitsrechtlichen Privilegien an den Vertreter; die Möglichkeit einen zweiten Beruf auszuüben; nicht nachvollziehbare Zulagenansprüche; sowie die wohnrechtliche Sonderstellung der Hausbesorgerwohnung, die ihn faktisch unkündbar machte. Aber möglicherweise ist das neue Berufsbild wirklich etwas ganz anderes und orientiert sich bei Wiener Wohnen eher an der Funktion des Blockwarts.

Auch die flächendeckende Ganztagsschule wird nun – wie das Wort schon inzidiert – überall eingeführt. Es geht höchstwahrscheinlich nicht an, dass manche Eltern ihre Kinder dem ganztägigen orientalischen Background entziehen wollen und möglicherweise ein anderes Nachmittagsprogramm wie die Pfadfinder oder eine katholische Jugendgruppe im Sinn haben.

Dass die Citymaut nicht kommt, wird den Bürgermeister besonders freuen, hat er doch auch einen Arbeitsplatz in der Inneren Stadt. Aber da er ohnehin einen Chauffeur hat, ist der Wochenend-Nachtverkehr der U-Bahn nicht ganz so in seinem Sinne. Seine Beziehungen zu den Wiener Linien werden schon bewirken, dass bald bekanntgegeben wird, man müsse – um die immensen Kosten von fast einer Volksbefragung zu decken – einen speziellen Nachtfahrschein einführen.

Das letzte große Problem: Was schreibt die tägliche Journaille, wenn es überhaupt keine Probleme mit aggressiven Kampfhunden mehr gibt? Der Hundekot wird gänzlich von den Straßen verschwunden sein, auf Spielplatzen gibt es nie wieder Schwierigkeiten zwischen Hundebesitzern und besorgten Eltern, und die Stadt kann ihr Budget mit den Kosten für die verpflichtende Hundehalter-Ausbildung wahrscheinlich gänzlich sanieren.

Bravo, Herr Bürgermeister – alles richtig gemacht: Entertainment vom Feinsten! Dafür zahlen wir gern. Oder?

Foto auf der Startseite: Manfred Werner

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