Transparenz: Das Vorleben des Respekt.net-Geschäftsführers

BildTransparenz ist das Schlagwort der Initiative Respekt.net, die am 7. November die Internet-Plattform MeineAbgeordneten.at vorgestellt hat. Bei der Vorstellungs-Pressekonferenz sahen es die Verantwortlichen als ihre erste Aufgabe, den FPÖ-Abgeordneten Josef Riemer auf Grund einer Kellertür in einem von ihm gekauften und restaurierten Haus ins Nazi-Eck zu stellen. Wer Transparenz fordert, der muss sie auch für sich selbst gelten lassen. Ihr Projekt, so sagen die Macher, liegt im öffentlichen Interesse. Werfen wir also einen Blick hinter die Kulissen und schauen wir nach, wer die Leute sind, die dieses „öffentliche Interesse“ nun befriedigen wollen.

Geschäftsführer war Mann der ersten Stunde nach MobilTel-Übernahme

Josef Vinatzer

Josef Vinatzer

Mit diesem Foto wurde Josef Vinatzer 2002 als
neuer Vorstand der kroatischen mobilkom-Tochter
VIPnet vorgestellt, 2005 wechselte er dann nach
Bulgarien zur MobilTel.
Foto: mobilkom austria

Geschäftsführer von Respekt.net sind laut Impressum auf MeineAbgeordneten.at Mag. Josef Vinatzer und DI (FH) Paul Beyer. Josef Vinatzers beruflicher Höhepunkt war zweifellos die Geschäftsführertätigkeit beim bulgarischen Mobilfunkunternehmen MobilTel. Der Erwerb dieser Firma durch die österreichische Telekom beschäftigte bereits den Banken-Untersuchungsausschuss und wird wohl auch im eben eingesetzten Korruptions-U-Ausschuss Thema werden. Gut möglich, dass dazu auch Josef Vinatzer vorgeladen wird, war er doch der Mann der ersten Stunde in Bulgarien und trat seine Tätigkeit unmittelbar nach Abschluss des Firmenerwerbs durch die Telekom im Jahr 2005 an. Mitglied des sechsköpfigen Management-Team war damals übrigens auch der jetzige Telekom-Chef Hannes Ametsreiter.

Die Vorgeschichte ist gespickt mit zahlreichen Unappetitlichkeiten, weshalb sich die Telekom entschloss, vor dem Erwerb die blutigen Spuren zu verwischen, wie der ehemalige Telekom-Finanzvorstand Stefan Colombo jüngst dem Falter mitteilte. Als Grund für die aufwändige Kaufkonstruktion, an der die zwischenzeitlichen MobilTel-Besitzer Martin Schlaff (Investor und Milliardär), Josef Taus (ehemaliger ÖVP-Obmann) und Herbert Cordt (ehemaliger Länderbank-Vorstand und Androsch-Sekretär) rund 700 Millionen Euro verdient haben sollen, war laut Colombo folgender: „Wir haben agreed, dass ich eine Jungfrau will. Ich wollte eine saubere Firma.“ Zu diesem Zweck habe er eine „Liste“ erstellt, woraufhin es zwei Jahre gedauert habe, „eine Jungfrau zu machen“.

Mordanschlag könnte MobilTel-Eigentümer gegolten haben

Die brisanteste Geschichte, die durch die „Operation Jungfrau“ verdeckt werden sollte, ist ein bis heute ungeklärter Mord in Perchtoldsdorf, bei dem Ermittler des BKA eine Verbindung zu jenem Mann vermuteten, von dem Schlaff und Co. die MobilTel gekauft hatten: zu dem wegen organisierten Verbrechens von Interpol gesuchten russisch-israelischen Oligarchen Michail Chernoy. Das Mordopfer damals war der Vater eines der MobilTel-Gründer. Er wurde erschossen, als er Unbekannte ertappte, wie sie in dem Haus seines Sohnes eine Bombe platzieren wollten. Der Verdacht: Durch die Bombe hätte der Sohn getötet werden sollen, der sich bis dahin beharrlich geweigert hatte, seine Anteile an der bulgarischen Mobilfunkfirma an Chernoy zu verkaufen. Den Widerstand gab er nach dem gewaltsamen Tod des Vaters rasch auf.

Über den Abschluss des Verkaufs der MobilTel an die Telekom und den damit verbundenen Amtsantritt von Josef Vinatzer als Chief Executive Officer (CEO) berichtete damals unter anderem die bulgarische Zeitung Standart, die dazu auch ein Foto von Vinatzer an der Seite des Firmenverkäufers Herbert Cordt veröffentlichte. Nicht ohne Stolz schreibt Standart zudem, dass der Besitzer dieser Zeitung, Todor Batokov, in den Aufsichtsrat der Firma eingeladen worden sei. Batkov wahrte laut Falter, der sich dabei auf eine US-Depesche eines Diplomaten in Sofia bezieht, die Interessen eines Mannes, der mit der MobilTel zu diesem Zeitpunkt offiziell nichts mehr zu tun haben dürfte: „Todor Batkov, aka ‚Borat‘, fungiert als Stellvertreter und Frontmann für den berüchtigten Michail Cherney (…). Cherney behält Einfluss auf seine Unternehmungen, indem er sein Eigentum an Batkov überträgt.“

Viel Lob und ein Ehrenzeichen zum Abschied

Chrenoys mutmaßlicher Strohmann Batkov saß bis 2010, also fünf Jahre lang im MobilTel-Aufsichsrat und dürfte mit der Arbeit von CEO Vinatzer hoch zufrieden gewesen sein. Als dieser mit 1. Juli 2009 den Sessel für seinen Nachfolger Andreas Maierhofer räumte, streute ihm die Batkov-Zeitung Standart jede Menge Rosen für den Abschied:
Dank Josef Vinatzer verfolgte die MobilTel seine sehr aktive Politik auf dem Gebiet der Corporate Social Responsibility. Dies wurde auch von der Präsidentschaft der Republik Bulgarien anerkannt, und Vinatzer erhielt die Ehrenmedaille des Präsidenten der Republik Bulgarien. Die Auszeichnung wird für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Corporate Social Responsibility und für die Unterstützung von Kultur und Sport verliehen.

Inwieweit und ob Vinatzer selbst in den fragwürdigen Unternehmenskauf der MobilTel involviert war und an der „Operation Jungfrau“ mitgewirkt hat, ist nicht bekannt. Im Telekom-Konzern war er zum Zeitpunkt seines Abschieds aus Bulgarien jedenfalls bereits 16 Jahre lang tätig. Ein Umstand den die auf Transparenz bedachten Nutzer von Respekt.net und MeineAbgeordneten.at vielleicht auch direkt von den Betreibern erfahren hätten können. In Vinatzers Profil auf Respekt.net fehlen diese Hinweise auf seine bisherigen beruflichen Stationen jedoch gänzlich.

Schachliebhaber als Großsponsor der bulgarischen Schach-Masters

Kleines Detail am Rande: Vinatzer wird auch (allerdings mit dem falschen Titel Dr.) als Gründungsmitglied des Schachclubs von Schwaz in Tirol erwähnt, woher der Respekt-Geschäftsführer stammt. Seine Funktion in Bulgarien nützte er dann auch, um den Schachsport finanziell zu fördern. Die MobilTel sponserte sofort nach Vinatzers Amtsantritt die Schach-Masters in Sofia. Im Jahr 2008 begründete Vinatzer in einem Interview das Engagement so: „Weil ich denke, Schach und Kommunikation passen gut zusammen.“ Das leuchtet ein. Wer denkt nicht sofort an Schach, wenn er Kommunikation denkt? Eher unangenehm war Vinatzer der Wunsch nach Transparenz in Zusammenhang mit der Höhe des Sponsorings. Auf die Journalistenfrage, wie viel Geld das Masters koste, antwortete er: „Wir reden nicht gern über die genauen Beträge, aber es sind mehrere Hunderttausend Euro. Das ist, wie ich finde, gut investiertes Geld. Die dafür notwendige Summe bleibt in jedem Jahr relativ konstant.“

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