Nur wegen Sarrazin-Vortrag? Bauernbund-Chef Grillitsch tritt ab

Fritz Grillitsch Die ohnehin schon geschwächte ÖVP verliert einen ihrer profiliertesten Politiker. Bauernbund-Obmann Fritz Grillitsch legt seine Parteiämter mit sofortiger Wirkung zurück. Entsprechende Medienspekulationen bestätigte der Steirer soeben mit einer Presseaussendung. Grillitsch ist der erste und bisher einzige ÖVP-Politiker, der sich der gesellschaftspolitsichen Auseinandersetzung über die Folgen der Massenzuwanderung gestellt hat, indem er den deutschen Buchator und Ex-Politiker Thilo Sarrazin zu einem Vortrag nach Graz eingeladen hatte. Dies, so meinen die meisten Medien, könnte ihm innerparteilich das Genick gebrochen haben.

Fritz Grillitsch

Fritz Grillitsch

Fritz Grilitsch tritt als Bauernbund-Präsident ab, bleibt aber im Parlament.
Foto: Michael Kranewitter, Vienna / WIkimedia (CC BY 2.5)

Die Frustration über den offenbar heftigen Gegenwind aus der eigenen Partei klingt in der Aussendung des Bauernbund-Chefs zwischen den Zeilen durch, wenn er schreibt:
Gerade in den letzten Monaten ist mir  bewusst geworden, dass es für mich immer schwieriger wurde, zum  notwendigen Konsens und Ausgleich der  unterschiedlichen  Interessensgruppen sowohl innerhalb des Bauernbundes, wie auch im Gefüge der Partei beizutragen. Und so nehme ich meine Verantwortung  für Bauernbund und Partei wahr und übergebe den Hof rechtzeitig.

Grillitsch legt die Funktionen des Bauernbund-Präsidenten, des stellvertretenden ÖVP-Klubobmanns im Parlament sowie des Vorsitzenden im ÖVP-Agrarklub zurück. Den Gefallen, auch auf sein Nationalratsmandat zu verzichten, tat er der ÖVP allerdings nicht.

Steckt doch mehr dahinter?

Trotz dieser offensichtlichen Verstimmung im gesellschaftspolitischen Bereich sehen Insider diese Tatsache als nicht ausreichende Erklärung für Grillitsch‘ gewichtigen Schritt. Es ist daher durchaus möglich, dass in nächster Zeit noch weitere – möglicherweise weniger hehre – Rücktrittsründe nachgeliefert werden.

Raiffeisen-Mann soll Nachfolger werden

Der Kurier vermeint, bereits den Nachfolger im Bauernbund bereits zu kennen. Es soll der oberösterreichische Abgeordnete Jakob Auer sein. Er ist Obmann von Raiffeisen Oberösterreich und Aufsichtsratspräsident der Raiffeisen Landesbank. Dem in der ÖVP ohnehin schon beinahe allmächtigen Raiffeisen-Sektor würde damit eine weitere wichtige Position zufallen. Auer erregte kürzlich mediales Aufsehen, weil er mit gezählten zehn Positionen die meisten Nebenjobs aller 183 Abgeordneten hat.

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