Zuständigkeitsstreit: Wien lässt Kulturjuwel verfallen

Hofpavillon 1Der Kaiser würde sich im Grab umdrehen. In der Schönbrunner Schloßstraße in Hietzing verfällt der Otto-Wagner-Hofpavillon, der dem kaiserlichen Hof als Ein- und Ausstiesgstelle der Stadtbahn diente. Grund: Die Wiener Linien als Eigentümer und das Wien Museum als Nutzer können sich nicht einigen, wer für die Sanierungsmaßnahmen zuständig sein soll.

Hofpavillon 1

Hofpavillon 1

Das Baujuwel von Otto Wagner im Kontrollamt der Stadt Wien. Weil gestritten
wird, wer für die Sanierung zuständig ist.
Foto: Unzensuriert.at

Das historische Baujuwel steht unter Denkmalschutz. Es ist von „weißem Porenschwamm“ und „Braunfäule“ befallen, wie ein gerichtlich zertifizierter Sachverständiger feststellte. Weil Bauteile herunter fallen könnten und massive Korrosionsschäden auftauchten, musste das Gebäude wegen Gefahr in Verzug gesperrt werden. Der wirkliche Skandal kam aber jetzt im Bericht des Kontrollamtes mit der Zahl KA VI – GU 230-1/11 zutage. Ausschussmitglied Alfred Wansch (FPÖ) zitiert daraus: „Erforderliche Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen unterblieben aufgrund der Uneinigkeit in der Erhaltungszuständigkeit. Daraus resultierende Einschränkungen der Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit führten zur Schließung des Pavillons.“

Denkmalgeschütztes Gebäude verfällt, Häupl schaut zu

Pavillon 2

Pavillon 2

Die Wiener Linien als Eigentümer wollen die Baustelle, bis zur Klärung der
eindeutigen Zuständigkeit, nur absichern.
Foto: Unzensuriert.at

Weil sich zwei streiten, nämlich die Wiener Linien und das Wien Museum, und die beiden seit Monaten keinen Konsens finden,  geht ein historisch wertvolles Gebäude vor die Hunde. Der Preis der Sanierung wird von Tag zu Tag teurer. Wie viel Geld in das kaputte Baujuwel Otto Wagners gesteckt werden muss, um es zumindest für die Besucher wieder sicher zu machen, war in der Kontrollamts-Sitzung nicht zu erfahren. „Eine Kostenschätzung wäre uns zu teuer gekommen,“ sagte ein Beamter der Stadt Wien auf Anfrage von Alfred Wansch.

Die verantwortlichen Stadtpolitiker schauen dem Treiben nur zu. Die, die sich immer wieder – vor allem vor den Wahlen – mit der Schönheit der Stadt Wien rühmen, tun nichts dazu, wenn es darum geht, historische Gebäude vor dem Verfall zu schützen. Die Zeit drängt, aber Bürgermeister Michael Häupl spricht kein Machtwort. Er schmückt sich lieber mit Tourismus-Magneten der Stadt wie dem Schloß Schönbrunn, das aber nicht unter sozialdemokratischer Regentschaft gebaut wurde, sondern in der Monarchie. Und er tut so, als wäre das quellfrische Wasser, das den Wienern aus der Steiermark geliefert wird, eine SPÖ-Errungenschaft. Verschweigt aber geflissentlich, dass die Wasserleitung in die Wildalpen der Konservative Karl Lueger bauen ließ. Häupl schmückt sich eben gern mit fremden Federn, um von den wirklichen Problemen und Sanierungsfällen wie dem Otto-Wagner-Hofpavillon abzulenken.

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