Nach Schlagring-Attacke: Fußballverband schließt Verein des Opfers aus!

SchlagringUnbeschreibliche Szenen müssen sich nach dem Fußballspiel von FC Wien gegen Robinson FC auf dem Franz-Koci-Platz in Wien-Favoriten abgespielt haben. Augenzeugen berichten, wie ein türkischer Fußballer von Robinson auf einen jungen FC-Wien-Spieler losgeht und diesen mit einem Schlagring blutig prügelt. Er wird schwer verletzt, muss ins Krankenhaus. Als sich der FC Wien auf seiner Facebook-Seite gegen den Gewalttäter wehrt, wird der Verein vom Wiener Fußballverband (WFV) mit sofortiger Wirkung suspendiert. 

Schlagring

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Mit einem Schlagring soll ein Robinson-Spieler einen Gegner
attackiert und krankenhausreif geprügelt haben.
Foto: Apostoloff / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Es war von Anfang an eine gehässige Partie. Schon während des Matches sahen zwei Spieler von Robinson, einer von FC Wien die rote Karte. Doch gerauft, getreten und geschlagen wurde nach Spielschluss in der Kabine, wo ein gewisser S.U. auf einen jungen FC-Wien-Spieler mit einem Schlagring eingeschlagen haben soll. Er und ein weiterer Verdächtiger wurden bei der Polizei wegen vorsätzlicher Körperverletzung angezeigt, ein Verfahren ist anhängig. Für S.U. gilt die Unschuldsvermutung.

„Schwuchteln“ und „Scheiß Österreicher“

Bis zu einer Gerichtsverhandlung wollte der FC Wien aber nicht warten und stellte – auch weil die Verbandsfunktionäre angeblich tatenlos blieben – den „Täter“ via Facebook an den Pranger. Ein Foto seines Spielerpasses wurde in einer Collage mit dem blutenden Opfer ins Netz gestellt. Außerdem kündigte der FC Wien an, nie mehr gegen den Robinson FC antreten zu wollen. Obmann Gernot Gröschel sagte gegenüber Unzensuriert.at: „Es verletzt unser gesundes Ehrgefühl als integrativer Fußballverein, dass eine Mannschaft, die ihre Gegner als Schwuchteln und Scheiß-Österreicher beschimpft – und ihre Aggressivität auch noch mit roher Gewalt unterstreicht – keine Konsequenzen füchten muss. Es sei denn, wir reagieren darauf!“

Unzensuriert.at fragte beim Wiener Fußballverband nach, was dieser nach dem Vorfall im 10. Bezirk unternehmen werde. Vizepräsident Manfred Steiner, als Obmann der Diözesansportgemeinschaft (DSG), die beim WFV eingegliedert ist, für die 2. Klasse C zuständig, sagte, dass es in der DSG viele Integrationsmannschaften gebe und größtes Interesse bestehe, „dass alles harmonisch abläuft“. Wenn verschiedene Volksgruppen aufeinander prallen, könne es aber auch zu Problemen kommen. Steiner bekannte, dass er sich mit dem Fall noch nicht intensiv beschäftigt habe, er könne nur so viel sagen, dass es einen Brief vom Robinson FC an den Verband gebe, in dem der Verein Vorwürfe des Rassismus und Rechtsradikalismus gegen den FC Wien erhebe. Im übrigen wolle er das zivile Gerichtsverfahren abwarten und dann etwaige Konsequenzen ziehen.

Gegner reagierte mit der Faschismuskeule

Für FC-Wien-Obmann Gernot Gröschel war klar, dass rassistische Vorwürfe kommen würden. „Damit macht sich der Robinson FC aber lächerlich, denn bei uns haben die Hälfte aller Spieler einen Migrationshintergrund." Trainer sei ein Senegale, Kapitän ein Serbe.

Alles scheint also noch in Schwebe, sowohl im Fußballverband als auch in den polizeilichen Ermittlungen, doch dann plötzlich eine neuerliche Wende. Manfred Steiner, Vizepräsident des Wiener Fußballverbandes, meldet sich noch einmal bei Unzensuriert.at: „Ich habe mir jetzt die Homepage von FC Wien angeschaut und den Verein sofort suspendiert. So etwas ist nicht tragbar, nicht erwünscht.“ Die Darstellungen im Internet seien mit christlichen Grundsätzen nicht zu vereinbaren, „wir müssen uns davon klar distanzieren!“ Suspendiert bedeutet, dass der Verein keine Spiele mehr austragen darf, sozusagen von der Meisterschaft ausgeschlossen wird. Für den mutmaßlichen Schläger aus der Türkei kamen die „christlichen Grundsätze“ verständlicherweise nicht zur Anwendung.

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