Die verborgenen Netze des Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi Mit seiner Rücktrittserklärung und der Hofübergabe an Mario Monti könnte die politische Karriere Silvio Berlusconis nach 17 Jahren endgültig zu Ende gehen. Während der 75 jährige Politiker und Fernsehmogul zuletzt vor allem im Zusammenhang mit Sexaffären in den Medien präsent war, überschatten seit längerem andere Vorwürfe um Verflechtungen in die dunklen Seiten des italienischen Systems seine Person. Diese reichen von Korruption und Schmiergeldzahlungen bis zu Kontakten zu kriminellen Organisationen. Unzensuriert.at bringt ab heute in sechs Teilen einen Rückblick auf die Ära Berlusconi, die auch ein Sittenbild der italienischen Politlandschaft darstellt.

Berlusconis Aufstieg in den bleiernen Jahren

Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi

Berlusconi kam über den Wohnbau ins Mediengeschäft.
Foto: Agência Brasil, Ricardo Stuckert/PR / Wikimedia (CC BY 2.5)

Bereits 1961, im Jahr seines Studienabschlusses in Rechtswissenschaften, gründete der 1936 geborene Silvio Berlusconi seine erste Baufirma, die sich dank der finanziellen Unterstützung der Mailänder Banca Rasini gut entwickelte. Auf den Bau der ersten großen Wohnanlage 1964 folgte 1969 die Trabantenstadt „Milano 2“, für die Berlusconi auch seinen ersten Fernsehsender „Milano 2“, später in „Telemilano“ umbenannt und Vorläufer von „Canal 5“, gründete. 1978 führte Berlusconi seine Unternehmungen in der Fininvest Holding zusammen.

Die späten 1960er und 1970er Jahre, in denen die Anfänge von Berlusconis Imperium liegen, sind als „bleierne Jahre“ bekannt worden. Große soziale Spannungen entluden sich in dem Land, das von Terrorakten von links und rechts erschüttert wurde. Zusätzlich agierten Geheimdienste im Untergrund und bauten die sogenannte „Strategie der Spannung“ auf, mit der jede Regierungsbeteiligung der Kommunistischen Partei Italiens KPI verhindert werden sollte. Die KPI war die größte kommunistische Partei Westeuropas und lag in Wahlen teilweise nur knapp hinter der dominierenden Christdemokratischen Partei.

Mafia, Freimaurer und Geheimdienste hatten Italien im Griff

Das organisierte Verbrechen in Form der Mafia (Sizilien), `Ndrangetha (Kalabrien) und der Camorra (Neapel/Kampanien) hatte Süditalien fest im Griff und unterhielt enge Beziehungen zur Politik. Dazu übten geheime Gesellschaften wie die Freimaurer großen Einfluss aus. Geheimdienste, kriminelle Gruppen und Geheimbünde waren dabei auch personell eng verwoben, wie in den 1980er Jahren teilweise ans Licht kam. Bei politischen Vorgängen aber auch kriminellen und terroristischen Akten blieben die Drahtzieher teils unbekannt, so dass über die Hintergründe nur spekuliert werden kann.

Neben diesen vielschichten Ebenen existierte in Italien eine Form der Klientelwirtschaft, die ähnliche Strukturen in anderen europäischen Staaten weit in den Schatten stellte. Vor allem in Süditalien ist das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen gering, in jene der Seilschaften und Parallelgesellschaften hoch.

Lesen Sie morgen: Banca Rasini – Berlusconis Bank

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