Wirtschaftskammer: Schwarz-rotes Ringen um türkische Stimmen

Von 27. Februar bis 2. März 2010 finden in Wien die Wahlen zur Wirtschaftskammer statt. Dabei hat zwischen ÖVP-Wirtschaftsbund und SPÖ-Wirtschaftsverband ein Wettrennen um türkische Konzessionsinhaber eingesetzt.

BildListe 1 ist der schwarze Wirtschaftsbund (WB). Dessen Wiener Obfrau Brigitte Jank ist auch die Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer (beide Funktionen übernahm sie 2004). Auf einem eigenen Plakat, das seit Tagen auch auf Filialen der türkischen Aycan-Supermarktkette affichiert ist, posiert sie mit WB-Kandidat Hasan Vural. Zweisprachig prangt darauf „Gemeinsam sind wir stärker – Birlik-te daha guclü“. Auf schriftkundige Türken wirkt das Pla-kat wegen eines Fehlers unbeholfen. Um solche Scharten auszuwetzen, gibt es auch noch andere türkische WB-Kan-didaten wie z.B. Mustafa Iscel. Dieser ist nicht nur VP-Bezirksrat im 10. Bezirk Favoriten, sondern auch Multifunktionär im türkischen Vereinswesen. So ist er beispielsweise Präsident beim Fußballklub Etsan Vienna Türkgücü, der mit Etsan eine zweite türkische Supermarktkette im Namen trägt. 2006 stand Iscel im Mittelpunkt von Diskussionen, weil er zur Nationalratswahl ein eigenes Plakat verbreitete, in dem er versprach, dass die VP im Parlament gegen die Anerkennung des türkischen Genozids an den Armeniern wirken und stimmen werde.

BildListe 2, der rote Sozialdemokratische Wirt-schaftsverband (SWV), hält da mit schweren Geschützen dagegen. Auch dessen Obmann Fritz Strobl, Wiener Gemeinderat und Landtagsabgeordneter sowie Vizepräsident der Wiener Wirtschaftskammer, posiert auf einem eigenen Plakat mit seinem türkischen Wiener SWV-Vizepräsidenten Akan Keskin. Das Plakat ist zwar rein deutschsprachig, dafür heißt es: „Mehr Mitbestimmung für MigrantInnen? Gibt´s nur mit dem SWV.“ Auf der SWV-Internetseite fordert Fritz Strobl vehement das passive Wahlrecht auch für Migranten, die noch nicht die österreichische Staatsbürgerschaft haben. Die türkische Gemeinde verfügt übrigens mit Resul Ekrem Gönültaş im SWV auch auf Bundesebene über einen Vizepräsidenten.

Der Anbiederungswettkampf bewirkt auch, dass derzeit in vielen türkischen Medien Bilder von Jank und Strobl im Kreise türkischer Kandidaten erscheinen, unter denen selbstverständlich auch eine Kopftuchträgerin nie fehlen darf.

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