Türkisches Militär setzt Napalm gegen Kurden ein

19. November 2011 - 9:28

NapalmSpätestens seit Hollywoods-Antikriegsfilmen zur chemischen US-Kriegsführung im Vietnam weiß die Weltöffentlichkeit, wie mörderisch sich Napalm auswirkt. Nicht umsonst ist dessen Einsatz international verboten. Wenn der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan durch Europa jettet und sich vor allem in Berlin immer wieder gerne beklagt, dass er „ungerecht behandelt“ wird, so hat er durchaus Recht. Er wäre nämlich eigentlich ein Fall für den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Der Zweite Präsident des Wiener Landtages, Johann Herzog von der FPÖ, protestierte nun öffentlich.

Napalm

Napalm

Die Brandwaffe Napalm steht auf der Liste der geächteten Waffen
der Haager Landkriegsordnung. Die Türkei widersetzt sich der Konvention.
Foto: U.S. Air Force

Das internationale Abkommen zum Chemiewaffenverbot wurde am 13. Jänner 1993 beschlossen und trat am 29. April 1997 in Kraft. Auch die Türkische Republik unterzeichnete und ratifizierte es. Allerdings berichtete Der Spiegel schon im August 2010 über den Einsatz chemischer Waffen in Türkisch-Kurdistan. Erdogan kommentierte das zum Ärger bundesdeutscher Spitzenpolitiker lapidar mit „PKK-Propaganda“. Der derzeitige Oberkommandierende der türkischen Armee, Necdet Özel, heißt aber nicht von ungefähr bei den Kurden „Chemie-Necdet“.

Von 22. bis 24. Oktober 2011 war es wieder so weit: In der besonders widerständigen Provinz Hakkari (kurd. Colemerg) im äußersten Südosten an der Grenze zum Irak startete die türkische Armee, die über eine Million Soldaten und eine hochmoderne Luftwaffe samt NATO-Technikunterstützung verfügt, einen ihrer zahlreichen Angriffe. Seit dem Scheitern der „Großen Frühjahrsoffensive“, die ab dem 24. März 2010 den paar hundert kurdischen Rebellen den Garaus machen sollte, liegen in Ankara die Nerven endgültig blank. Bei ihren Luftangriffen gegen kurdische Stellungen waren sie in der Nähe der Kleinstadt Cukurca (kurd. Cele) erfolgreich. Das massive Bombardement einer Einheit von 35 Rebellen brachte 24 von ihnen den Tod.

Leichen nach Angriff bis zur Unkenntlichkeit verkohlt

In Malatya mussten die Leichen von den Angehörigen identifiziert werden, in einigen Fällen durch DNS-Proben, da sie bis zur Unkenntlichkeit verkohlt waren. Eines hatten die Leichname gemein: Sie wiesen keinerlei Einschusslöcher auf. Manchen Familien wurde die Herausgabe ihrer Angehörigen verweigert. Auf Youtube zeigen kurdische Aktivisten in einem schockierenden Video die Leichen der Napalm-Opfer.

Anzeige gegen Erdogan, Protest der FPÖ

In der BRD wurde aufgrund dieses mutmaßlichen Kriegsverbrechens Strafanzeige gegen Erdogan und den Generalstabschef nach dem Völkerstrafgesetzbuch erstattet. In Wien berief der freiheitliche Landtagspräsident Johann Herzog eine Pressekonferenz ein, um auf die Geschehnisse in Kurdistan hinzuweisen. Herzog zählte auch die dort üblichen Menschenrechtsverletzungen auf. Weiters wies er darauf hin, dass dieser seit 1984 andauernde Konflikt nicht militärisch gelöst werden könne und forderte die Türkei auf, ihren Bürgern kurdischer Zunge Autonomie zu gewähren.

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