Die verborgenen Netze des Silvio Berlusconi V

BildFür seine Gegner stand Silvio Berlusconi er für die Fortführung jenes zwielichtigen Systems, das vordergründig zwischen 1992 und 1994 implodierte. Wenngleich von Auftreten und Charakter nicht vergleichbar, war Berlusconi damit in den letzten beiden Jahrzehnten in der italienischen Republik ähnlich dominant, wie dies davor der Christdemokrat Giulio Andreotti war. Beide repräsentierten jeweils auf ihre Art eine Form der Politik, in der neben der öffentlichen eine hintergründige Ebene stets spürbar aber kaum greifbar war. Wie in Italien nicht anders denkbar, spielt auf dieser Ebene die Mafia eine gewichtige Rolle. Berlusconis Verbindungen zur "Ehrenwerten Gesellschaft" widmet sich der fünfte Teil des Unzensuriert-Rückblicks auf seine politische Karriere

Marcello Dell’Utri – Berlusconis Freund bei der Mafia

Marcello Dell'Utri

Marcello Dell Utri

Marcello Dell'Utri, enger Vertrauter Berlusconis
wude wegen seiner Mafia-Kontakte verurteilt.
Foto: Vincenzo Iaconianni / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Wenn es um Silvio Berlusconi und seine Beziehung zur Mafia geht, taucht vor allem ein Name immer wieder auf: Marcello Dell’Utri, Jugendfreund und politischer Weggefährte Berlusconis. Bereits früh wurden Vorwürfe laut, die Finanzierung von Berlusconis Unternehmungen durch die Banca Rasini sei eine Geldwäscheaktion der Mafia gewesen, Berlusconis Firmengeflecht in den 1970er Jahren mit Mafiageldern solvent gehalten worden, Dell’Utri sei der Vermittler gewesen. Die Verbindung der Banca Rasini mit dem Organisierten Verbrechen könnte ein weiterer Hinweis darauf sein, Beweise gibt es nicht.

Im Juli 1974 wurde über Dell’Utris Vermittlung der verurteilte Mafioso Vittorio Mangano in Berlusconis Villa angestellt. Manago könnte die direkte Verbindung zur Mafia gehalten und gleichzeitig Berlusconi und seine Familie vor Entführungen – damals eine beliebte Mafiamaßnahme zur Geldbeschaffung – geschützt haben. Im Juni 2010 wurde vom Gericht zweiter Instanz festgestellt, dass Dell’Utri zumindest bis 1992 Kontakte zu den Mafiabossen Stefano Bontade aus Palermo und nach dessen Ermordung zu den beiden Corleonesi Toto Riina und Bernardo Provenzano hatte. Das Gericht verurteilte den Senator und Europaparlamentarier zu sieben Jahren Haft. Das Gericht befand allerdings die Vorwürfe für den Zeitraum nach 1992 als unbegründet, obwohl es schwer belastende Aussagen reuiger Mafiosi gibt.

Terrorwelle nach schwindendem Mafia-Einfluss

Bis Anfang der 1990er Jahre hatte die Mafia wechselnde Kontakte zu den politischen Parteien unterhalten und diesen dafür Wählerstimmen gebracht. Als dieses System der politischen Einflussnahme zu bröckeln begann, überzog die Mafia Italien mit einer Terrorwelle. So sollte die Politik in das alte Wechselspiel der gegenseitigen Unterstützung zurückgezwungen werden. Neben der Ermordung der Richter Falcone und Borsellino wurden Anschläge in Rom und auf die Uffizien verübt. Nach der Verhaftung des sizilianischen Bosses Riina schwenkte sein Nachfolger Provenzano um und versuchte eine erneute Annäherung an politische Kräfte. Den Aussagen, die das Gericht im Prozess gegen Dell’Utri letztes Jahr nicht berücksichtigte, zu Folge sei dabei Berlusconis Forza Italia der neue Ansprechpartner gewesen. Die Anliegen der Mafia seien wohlwollend behandelt worden, sodass der Kronzeuge Gaspare Spatuzza von einem Gespräch mit anderen Mafiosi berichtete. Diese hätten ihm mitgeteilt: „Das Land ist in unserer Hand. … Silvio Berlusconi ist unser Mann.“

„Silvio Berlusconi ist unser Mann!“

Weiter stehen auch die Vorwürfe im Raum, dass Berlusconi in die Attentate auf Falcone und Borsellino involviert gewesen sei. Nachdem die Mafia einen guten Teil ihrer politischen Protektion verloren hatte, seien die Richter daran gewesen, Licht in die Verflechtungen zwischen organisierter Kriminalität, Geheimdiensten, Politik, Finanz und Wirtschaft zu bringen. Der Mafia-Überläufer Tommaso Buschetta hatte Falcone gewarnt, dass dies seinen Tod bedeuten würde.

Teil I: Berlusconis Aufstieg in den bleiernen Jahren
Teil II:
Banca Rasini – Berlusconis Bank
Teil III: Bettino Craxi – Berlusconis politischer Ziehvater
Teil IV: P2 – Berlusconis Loge

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