Ärztestudie scheitert an „Interpretationsschwierigkeiten“

AuerGestern haben wir die Frage gestellt, wo denn die vielfach angekündigte Ärztebedarfsstudie bleibt. Bei der abendlichen Diskussion im Parlament zum Thema „Droht Österreich ein Ärztemangel?“ kam auch prompt die Antwort. Clemens Martin Auer, Sektionschef im Gesundheitsministerium, gab unumwunden zu, dass es „methodische Interpretationsschwierigkeiten“ zwischen den an der Studie beteiligten Partnern gebe. Auf gut deutsch: Die Zahlen liegen vor, aber jeder will etwas anderes herauslesen.

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Sektionschef Auer: Interpretationsschwierigkeiten verhindern die
Fertigstellung der dringend benötigten Ärztebedarfsstudie.
Foto: Unzensuriert.at

Die Studie sei „auf dem Weg“, beteuerte Auer. Dem gelernten Österreicher wird durch die Worte des Sektionschefs jedoch klar, dass die Ergebnisse offenbar nicht nach Wunsch ausgefallen sind. Es kommt wohl – wie auch immer man es dreht – ein akuter Ärztemangel auf Österreich zu, der mehr Maßnahmen und vermutlich auch Ressourcen erfordert, als die Regierung bereit ist einzusetzen. Am Tanz um die Zahlen beteiligt sind neben dem Gesundheits- und Wissenschaftsministerium auch die Ärztekammer und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Man möge meinen, dass im Umfeld der Regierung schon genügend Studien produziert wurden, sodass diese eine nicht allzu stark abgeht. Tatsächlich nützt die Regierung jedoch das fehlende Ergebnis als Vorwand, jetzt (noch) keine konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Ärzteausbildung zu setzen. Die Katze beißt sich also in den Schwanz: Je länger um die Zahlen gestritten wird, desto länger herrscht Stillstand.

Müssen wir vor 70jährigen Ärzten niederknien?

Dass jedoch akuter Handlungsbedarf besteht, ging aus der Diskussion klar hervor. Mit Ausnahme von Sektionschef Auer, der zumindest zahlenmäßig kein Problem erkennen konnte, orteten alle Teilnehmer einen sich verschärfenden Ärztemangel bzw. einen sich stetig vergrößernden Bedarf. Der Präsident der Österreichische Ärztekammer, Dr. Walter Dorner, brachte es auf den Punkt, indem er sagte: „Im Jahr 2020 wird man sich vor den 70jährigen Ärzten niederknien, damit sie in den Ordinationen bleiben.“ Für die Ärzte vielleicht schmeichelhaft, für die Gesellschaft jedoch eine düstere Zukunftsvision.

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