Faymanns Facebook-Agentur auch Dienstleister für Porno-Spammer?

Werner FaymannDer Facebook-Auftritt von Bundeskanzler Werner Faymann wird immer anrüchiger. Wie der Journalist Florian Machl auf seiner Webseite www.politisieren.at berichtet, bietet eine der im beauftragten Konsortium vertretenen Firmen ihre Dienstleistungen auch recht zweifelhaften Unternehmen an. Im Internet sind zahlreiche Beschwerden von Kunden dokumentiert, die per SMS in eine Kostenfalle gelockt wurden. Von Porno-Angeboten ist ebenso die Rede wie von MP3-Hits. Die Masche ist meist eine ähnliche: Man bekommt ein SMS und sobald man in irgendeiner Form darauf regiert, beginnen die Kosten zu laufen. Oftmals finden sich die Kunden in einer Abo-Falle, die sich auf der Handyrechnung mit üppigen Beträgen niederschlägt.

Von derartigen Inhalten ist auf der Webseite von DIMOCO freilich nicht zu lesen. Dort heißt es zur Dienstleistung:
Mit den Mobile Messaging Lösungen hat sich DIMOCO auf die Abwicklung von großvolumigen SMS Transaktionen spezialisiert. So sind optimale Übertragungsgeschwindigkeiten, hohe Durchsatzraten und eine exzellente Deliverqualität für einen professionellen SMS Dienst entscheidend.

Dimoco

Dimoco

Google assoziiert die Firma Dimoco mit dem Begriff Abzocke.

Die Bezahlung von über diese SMS angebotenen Diensten kann ebenfalls über DIMOCO mit seinen „Mobile Payment“-Lösungen abgewickelt werden. Dass in diesem Bereich nicht alle Kunden seriöse Geschäftsabsichten haben, liegt auf der Hand. DIMOCO selbst ist daraus kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen. Die Kunden fühlen sich dennoch geprellt und äußern ihren Unmut in diversen Foren. Wer DIMOCO ins Google-Suchfenster eintippt, erhält als zweites angebotenes Begriffspaar „dimoco abzocke“ (siehe Screenshot). Auch die Schweizer Zeitung 20 Minuten hat einen Fall dokumentiert, in dem DIMOCO das technische Know-How für den Versand der SMS zur Verfügung gestellt hat: Inhalt: ein Angebot für Pornobilder. „Wir sind die Schnittstelle zwischen dem Business-Kunden, der den Dienst betreibt und dem jeweiligen Netzbetreiber. Wir gehen davon aus, dass unser Kunde sich an die jeweiligen Gesetzgebungen hält“, wird ein Verantwortlicher des Unternehmens zitiert.

Servicenummern für Konsumenten bei Fragen zur Rechnung

Dennoch dürfte sich das Unternehmen des Problems bewusst sein, dass bei weitem nicht alle über die SMS ihrer Kunden erfreut sind. Auf der Kontakt-Seite hat man einen eigenen Hinweis für Privatkunden/Konsumenten, in dem es heißt:
Sie haben SMS über die Infrastruktur von DIMOCO erhalten und möchten nun mehr dazu erfahren?
Zu allererst möchten wir Sie darüber informieren, dass Sie die SMS nicht von DIMOCO sondern über DIMOCO erhalten haben. Der Grund: Diensteanbieter nutzen unsere technische Infrastruktur, um SMS zu versenden und zu empfangen. Gerne leiten wir Ihre Anfrage direkt an den Diensteanbieter weiter. (Hervorhebungen im Original).

Darunter finden sich für die einzelnen Länder kostenpflichtige Servicenummern sowie Mailadressen, an die sich die Kunden wenden können, wenn Sie "Fragen zu Ihrem Service oder Ihrer Rechnung" haben.

Wo Nachfrage ist, entsteht auch Angebot. Die moralische Bewertung des Umstands, dass DIMOCO – ob bewusst oder unbewusst – auch die Nachfrage eher schmuddeliger Unternehmen befriedigt, überlassen wir dem Leser. Die moralische Prüfung durch das Team aus dem Bundeskanzleramt hat DIMOCO offenbar bestanden. Nicht anders ist es zu erklären, dass das Unternehmen in einem Konsortium mit zwei anderen Firmen beauftragt wurde, an Faymanns Social-Web-Projekt mitzuwirken.

FPÖ: Faymanns Internet-Experimente schaden dem Ansehen des Landes

Politisch ist das Bekanntwerden dieser Pikanterie ein neuerlicher Schlag für das verünglückte Facebook-Projekt des Bundeskanzlers. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky wundert da auch das Auftauchen gekaufter Freunde, unter ihnen einige Porno-Fakes, nicht:  „Die Beteuerungen der Facebook-Beauftragten, dass man sich das alles gar nicht erklären kann, verlieren unter diesen Umständen jedenfalls massiv an Glaubwürdigkeit“, so Vilimsky. Schön langsam sei der Punkt erreicht, wo Faymann mit seinen Internet-Experimenten nicht nur seinem eigenen, sondern auch dem Ansehen des ganzen Landes schade. „Wenn die SPÖ ihrem Parteichef das weiter zumuten will, dann soll sie dafür selbst bezahlen“, fordert Vilimsky die sofortige Rückerstattung der anfallenden Kosten an die Staatskasse.

Stellungnahme von DIMOCO

Auf Grund der Berichterstattung hat die Firma DIMOCO eine Stellungnahme zu ihrem Unternehmen und zur Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzelarmt abgegeben. Darin heißt es, dass nicht DIMOCO selbst, sondern die Tochterfima Lucy Marx, die für Mobile Marketing zuständig ist, den Social-Media-Etat gemeinsam mit der Agentur Skill3D gewonnen habe. Die Inhalte der von ihren Kunden versandten SMS seien DIMOCO auf Grund der strengen Datenschutzbestimmungen nicht bekannt. Wenn Kunden gegen regulatorische Auflagen aus dem Telekommunikationsgesetz verstoßen, werden diese aufgefordert, den Dienst zu ändern oder einzustellen bzw. bei Zuwiderhandeln deaktiviert.

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