Standard zeigt SPÖ-Kanzler Faymann die rote Karte

Alexandra Föderl-SchmidFür viele Beobachter doch einigermaßen überraschend kommt die in der Samstag-Ausgabe der linken österreichischen Tageszeitung Der Standard geäußerte massive Kritik an SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann. Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid bewertet in ihrem Kommentar – der mit dem Titel "Aufklärung in eigener Sache" fast den Charakter einer offiziellen Mitteilung der Redaktion hat – die politische Linie des Bundeskanzlers überwiegend negativ. Zudem wird die verunglückte Öffentlichkeitsarbeit von Faymann und Co. aufs Korn genommen. Vor allem das mediale Echo, das Faymann sogar beim bundesdeutschen Nachbarn hervorgerufen hat, ist Föderl-Schmid ein Dorn im Auge. Und auch die Vorgänge im Faymann-Fanmagazin Heute irritieren die Chefredakteurin.

Auch Standard verlässt Faymann-Fangemeinde

Alexandra Föderl-Schmid

Alexandra Föderl-Schmid

Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid – bei offiziellen Anlässen
oft in rot gekleidet – rechnete mit dem SPÖ-Kanzler kräftig ab.
Foto: APA / Ludwig Schedl

Möglicherweise verlässt nun auch Der Standard, der seit seiner Gründung 1988 eigentlich immer zu den treuesten Verteidigern sozialdemokratischer Bundeskanzler und der SPÖ-Politik gezählt hatte, die Faymann-Fangemeinde und besinnt sich auf seine mediale Verantwortung gegenüber den Leserinnen und Lesern. Kern der Kritik durch Föderl-Schmid ist einmal mehr die von Faymann am 26. Oktober gestartete Facebook-Aktion in eigener Sache. So berichtet die Standard-Chefredakteurin vom Branchentreffen „Mainzer Mediendisput“ mit 800 der führenden bundesdeutschen Medienmitarbeiter, wo Faymanns Facebook-Abenteuer inklusive gefälschter Freundesaccounts nur für Kopfschütteln und Häme gesorgt haben soll. Dass sogar die Financial Times Deutschland diese Faymann Affäre auf der Titelseite würdigten, alarmiert Förderl-Schmid zusätzlich.

Kosten des Facebook-Abenteuers werden ins Visier genommen

Eigens betont werden von der Chefredakteurin die hohen Kosten des Facebook-Abenteuers im Bundeskanzleramt:
Jetzt könnte man die Angelegenheit als verunglückte PR-Aktion abtun. Aber bezahlt wird der Webauftritt aus Steuergeldern. Bisher kostete  der Auftritt des Regierungschefs 99.000 Euro. Insgesamt sind 200.000 Euro veranschlagt und neun Mitarbeiter damit beschäftigt.
In der realen Welt macht sich der Regierungschef dagegen rar. […]
Wer nichts zu sagen hat, schweigt lieber.
Dafür meldet sich die SP-Zentrale in Form von erfundenen Menschen, die sich in Leserbriefen positiv über Faymann äußern, zu Wort.

Auch Kritik an Faymanns Fanmagazin Heute

Die aktuellen Vorgänge rund um die Ablöse des Chefredakteurs der Gratiszeitung Heute sieht die Standard-Chefredaktion als mögliche Folge der Berichterstattung über die gefälschten Fanpost-Schreiber:
Das Gratisblatt Heute hat darüber diese Woche berichtet. Dass Chefredakteur Wolfgang Ainetter just jetzt und nach nur zehn Monaten nach Deutschland zurückkehren möchte, wie Eva Dichand weismachen will, ist nicht glaubwürdig. Zudem ist fast zeitgleich in der Kronen Zeitung Post im ersten Anlauf nicht erschienen – jene von Michael Jeannée, der sich kritisch mit Faymann und Facebook auseinandersetzte.
Zufall? Beide Dichand-Blätter bekommen gemeinsam mit Wolfgang Fellners Österreich den Großteil der auf hundert Millionen Euro pro Jahr geschätzten Inserate aus dem Regierungsbereich. Dafür werden  Steuermittel eingesetzt, und die Bürger haben ein Recht zu erfahren, wohin ihr Geld fließt.

Mutmaßungen über die Eigentumsverhältnisse an Heute

Schlussendlich werden sogar die Eigentumsverhältnisse bei Heute durch die Standard-Chefredakteurin in einer bisher kaum stattgefundenen Deutlichkeit angesprochen:
Die Öffentlichkeit weiß nicht, wer eigentlich die Eigentümer von Heute sind. Der Verdacht, dass die SPÖ zumindest Miteigentümer ist und dies in der komplizierten Firmenkonstruktion versteckt werden soll, ist nicht ausgeräumt. Wenn dem so ist, dann liegt sogar verdeckte Parteienfinanzierung vor. Wohin das Geld der
Bürger fließt, darüber könnte der Kanzler und SPÖ-Chef in seinen ebenfalls vom Steuerzahler finanzierten Kommunikationsplattformen Auskunft geben.

Der Liebesentzug im Standard gegenüber dem amtierenden SPÖ-Bundeskanzler scheint jedenfalls perfekt.

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