Faymanns Facebook-Flop

Die Facebook-Pleite des Bundeskanzlers hält die Medien in Atem und sorgt für Kritik von ungewohnter Seite. Nachdem bekannt geworden war, dass einige der freundlich gesinnten Kommentatoren in Wahrheit künstliche Profile mit gekauften Fotos waren, legte die sonst recht kanzlertreue Gratiszeitung Heute nach und enthüllte, dass auch viele Leserbriefschreiber nicht echt sind und deren Fanpost für den Regierungschef von Computern der SPÖ abgeschickt wird. Der Kurier will fast 400 solcher Propaganda-Mails bekommen haben. Schließlich formulierte sogar die Chefredakteurin des linksliberalen Standard den Liebesentzug gegenüber Faymann in deutlichen Worten und wies darauf hin, dass sich Faymann mit seinen Irrungen durch die sozialen Netze bereits über die Grenzen Österreichs hinaus zum Gespött gemacht habe. Dass Heute-Chefredakteur Ainetter nach nur zehn Monaten den Dienst quittierte, passt ins Bild des verbissenen Versuchs der roten Regierungshälfte, mit massivem Inseratenaufkommen die Linie der Berichterstattung positiv zu beeinflussen – ein Versuch, der selbst bei den am üppigsten gesponserten Blättern bisweilen scheitert.

Kommentar von Martin Graf 

Parallel zum verunglückten Auftritt des Bundeskanzlers treibt sich dann auch noch dessen Double Werner Failmann wesentlich erfolgreicher als das Original in Facebook und Twitter herum und führt Faymann und seinem neun Mann und Frau starken Team vor, wie Kommunikation in sozialen Netzwerken funktionieren könnte. Failmann hat mit über 10.000 mehr als doppelt so viele Anhänger wie sein Konkurrent und landet nun mit einem Schmäh-Lied sogar einen Hit.

Die Pleite des Bundeskanzleramts ist mehr als eine spaßige Episode. Dazu sind die sozialen Medien viel zu bedeutend geworden, vor allem, aber nicht nur im Leben der jungen Menschen. Die Politiker sind gefordert, mehr von sich preiszugeben als offizielle Verlautbarungen. Dass daran gerade der Kanzler scheitert, ist nicht verwunderlich, steht er doch wie kaum ein anderer Politiker in Österreich für Schablonenhaftigkeit, Inhaltsleere und fehlende Transparenz, wie auch ein siebenjähriges Loch in seinem Lebenslauf dokumentiert. All das zu übertünchen, gelingt nicht einmal einem riesigen Team, dessen Finanzierung obendrein dem Steuerzahler aufgebürdet wurde.

Bedeutung inseratgesteuerter Medien schwindet

Die Affäre zeigt auch die schwindende Bedeutung der klassischen Medien. Zeitungsjournalisten werden zu Chronisten dieser Entwicklung degradiert, indem sie sich einordnen in die Schar der Kommentatoren jener Vorgänge, die auf Facebook längst die nächste spannende Wendung genommen haben. Werner Failmann – wer auch immer hinter dieser Kunstfigur steckt – gibt den Takt vor, und das mit einem Budget, das an jenes des Bundeskanzleramtes wohl bei weitem nicht heranreicht. Der Steuerungseffekt, den millionenschwere Inseratenkampagnen aus dem Regierungsumfeld auf die öffentliche Meinung ausüben können, wird zusehends geringer.

Zukunftsorientierte Politiker haben die Zeichen der Zeit längst vor Faymann nicht nur erkannt, sondern zu ihren Gunsten genutzt. FPÖ-Obmann HC Strache kommuniziert via Facebook mit mehr als 100.000 Anhängern auf eine persönliche Art und lässt dabei auch Blicke auf den Menschen hinter dem Politiker zu. Er teilt seine Lieblingsmusik ebenso mit den Leuten wie die Gefühle, die so manche politische Entscheidung in ihm auslösen. Die Regierenden hingegen verfallen dem Irrglauben, die Strategien der Vergangenheit würden zukunftsfähig, wenn man sie über Techniken der Gegenwart laufen lässt. Ein folgenschwerer Irrtum, denn in sozialen Netzwerken pflanzen sich diese Fehler fort und sind nicht schon vergessen, wenn die Zeitung von gestern im Altpapier landet.

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