NEWS: Schlechte Presse für Regierung nicht zu befürchten

Mit dem Medientransparenzgesetz sollen die Polit-Inserate an den Pranger gestellt werden. Die Hoffnung auf Besserung ist aber nicht groß, denn das professionelle Zusammenspiel von Politik und Medien zum finanziellen Nachteil des Bürgers spielt sich meist hinter den Kulissen ab. Ein gutes Beispiel dafür, wie Meinungskauf in der Praxis funktionieren könnte, hat der Innsbrucker Mediensachverständige Bernd Stracke in seinem Artikel im Genius-Brief  vorgestellt: die NEWS-Ausgabe der Woche 42.

Darin fanden sich neben einer Doppelseite des Verteidigungsministers Norbert Darabos („Die Profis. Unser Heer.“) noch mindestens ganzseitige Inserate folgender im staatlichen oder kommunalen Einfluss stehenden Werbekunden:

  • Wiener Stadtwerke („Wir denken Wiener Zukunft“)
  • Wiener Linien („Die Stadt gehört Dir – Neue Tarife ab 1. Mai 2012“)
  • Wiener Büchereien („Lesofantenfest“)
  • Finanzministerium („Information zahlt sich aus – Ihre Steuertipps 2011“)
  • Frauenministerium („Frauen rechnen jetzt nach“)
  • Vienna International Airport („Entspannt abheben“)
  • Verbund („Jetzt online wechseln und bis zu 100 Euro sparen“)
  • ÖBB („ÖBB-Postbus. Kommt gut an.“)
  • ASFINAG („Die Jahresvignette 2012 braucht jeder“)
  • Casinos Austria („Zwei Damen in der Hand? Die sollten Sie halten“)

In derselben NEWS-Ausgabe, die ansonst wohl ziemlich dünn ausgefallen wäre, finden sich noch je eine halbe Werbeseite für den Wiener Rotkreuzball („unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dr. Michael Häupl“) und der Post („Wenn’s wirklich wichtig ist, dann lieber mit der Post“) sowie jeweils eine Viertelseite Werbung des Wirtschaftsministeriums („Innovation garantiert Vorsprung“) und noch einmal die Post (Generaldirektor Georg Pölzl im formatfüllenden Porträt und der O-Ton-Empfehlung „im Gegensatz zu Briefen sollte man das Lesen nie aufgeben“).

„Rechnet man die rund 16 Polit-Inseratenseiten auf normalen News-Seitentarif um, würden allein in dieser Ausgabe 254.000 Euro an Steuergeldern stecken“, rechnet Bernd Stracke vor und meint dazu: „Ein Schelm, wer auf die Idee käme, dass Kanzler, Minister und Generaldirektoren angesichts dieser geballten Medienmacht Angst vor einer schlechten Presse bekommen könnten und den gefräßigen Wolf lieber ausreichend mit Steuergeld-Fleisch füttern, das ja nicht ihr eigenes ist.“

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