Islamistenwahlsieg: Düstere Zukunft für Ägypten

BildWenig überraschend lässt die erste Wahlrunde im islamisch dominierten Ägypten einen Sieg der Islamisten erahnen: Die Muslimbruderschaft errang rund 45 Prozent der Stimmen. Während der Erfolg dieser Partei bereits im Vorfeld sichtbar war, wurde der zweite Platz unerwarteterweise von einer nicht weniger besorgniserregenden Partei besetzt: Die radikale Salafistenpartei Al-Nur, die eine besonders fundamentalistische Fassung der Sharia einführen möchte, konnte 21 % verzeichnen. Weit abgeschlagen liegt somit die drittstärkste, linksliberale Partei, die bloß 15 % erreichte.

 

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Diese Warteschlange für Wähler in Kairo reichte bis in die Wüste.
Foto: Sherif9282 / wikimedia / (CC BY-SA 3.0)

Wie erwartet wandelte sich der "arabische Frühling", im Zuge dessen die ehemaligen Diktatoren gestürzt wurden, nach bloß einer Wahl in ein Erstarken islamistischer Bewegungen. Die Hoffnung des Westens, durch die Demokratie auch andere westliche Werte exportieren zu können, wurde im Keim erstickt.

Die ultrakonservativen Salafisten kündigten bereits an, der Muslimbruderschaft ihre Kooperation zu verweigern: Die Weltsicht der Salafisten orientiert sich streng an den Wurzeln des Islam und lässt keinen Raum für Kompromisse. Eine Koalition mit der Muslimbruderschaft, die sich momentan der Welt als moderate demokratische Kraft präsentiert, scheint unwahrscheinlich: "Wir hassen es, Mitläufer zu sein", so Emad Abdel Ghaffour in einem Interview. "Man sagt immer, wir haben ähnliche Positionen wie die Bruderschaft, aber wir haben unsere eigene Vision. […] Es mag einen Konsens geben, aber […] wir bleiben unabhängig."

Lage für Christen wird immer bedrohlicher

Angesichts der islamistischen Übermacht verdüstert sich die Zukunft der rund 13 Millionen Christen in Ägypten. Der ägyptsche Sprecher der katholischen Kirche warnt vor einer "scharfen Umsetzung der Scharia", die Salafisten würden von den Christen erwarten, in den Westen zu fliehen. Die radikale Gruppe betrachtet Ägypten als rein muslimisches Land und ist für mehrere Anschläge auf Kirchen verantwortlich. Auch die Kopten zeigen sich aufgrund der Wahlen besorgt: Die Muslimbrüder "wissen, was sie tun". Nun gelte es, auf die nächsten Runden der Wahl zu warten.

Die freiheitliche Nationalratsabgeordnete Susanne Winter warnt unterdessen vor einer Verschärfung der Christenverfolgung. Die Wahlerfolge der Islamisten könnten "einen Massenexodus der Christen aus Ägypten" hervorrufen, der arabische Frühling entpuppe sich zunehmend als "kalter Winter" für die Kopten. Sie hätten praktisch keine Zukunft mehr in ihrem Land und würde bald ans Freiwild angesehen.

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