Konsum bittet Genossenschafter nochmals zur Kasse

Konsumfiliale Der gesamtösterreichische Konsum musste bereits im Jahre 1995 wegen einer Milliardenpleite für immer seine Tore schließen. Damals legte der Konsum Österreich eine Insolvenz hin, die ein Gesamtausmaß von 26 Milliarden Schilling umfasste. Betroffen waren 17.000 Mitarbeiter und 700.000 Genossenschafter. Das österreichweite Filialnetz wurde zerschlagen und von den Lebensmittelketten Spar, Billa, Adeg, Löwa und Meinl übernommen. Insgesamt wechselten so 630 Filialen den Betreiber.

Eigenständiger Weg beim Salzkammergut-Konsum

Konsumfiliale

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Die Kosumpleite im Salzkammergut hat Folgen für doe Genossen.
Foto: Joeb07 / Wikimedia (CC BY 3.0)

Im Unterschied zum gesamtösterreichischen Konsum hatte der Konsum im Salzkammergut eine andere Geschichte. Gegründet 1868, wurde er vor allem durch die Salinen- und Holzarbeiter des Salzkammergutes getragen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der auch im Genossenschaftswesen tiefe Spuren hinterlassen hatte, kamen die Konsumgenossenschafter im Salzkammergut überein, eine Bezirksgenossenschaft zu bilden. Dieser Bezirkskonsum war in den folgenden Jahrzehnten sehr erfolgreich und baute sein Filialnetz und sein Warensortiment immer weiter aus. Anlässlich der bundesweiten Fusion der Konsumgenossenschaften wehrten sich die Salzkammergut-Genossen und machten diese Vereinigung im Jahre 1978 nicht mit. 1995 kam es zur Insolvenz des „großen Bruders“ Konsum Österreich. Obwohl nicht direkt betroffen, brachte diese Pleite auch für den Salzkammergut-Konsum Imageschaden und Einschränkung des Aktionsradius. Denn obwohl eigenständig, hatte man mit dem Konsum Österreich vielfältige wirtschaftliche Beziehungen.

Pleite im Salzkammergut kam im Mai 2011

Seit 1999 ging es auch mit der Konsumgenossenschaft Salzkammergut bergab. Ende 2010/Anfang 2011 waren von ehemals 400 Mitarbeitern Mitte der Neunzigerjahre noch 140 aktiv, das Filialnetz hatte sich von 20 auf 11 nahezu halbiert und die Umsätze sanken von 1991 bis 2010 von 36,3 auf 15,7 Millionen Euro. Ein Rückgang war auch bei den Genossenschaftern zu registrieren: Waren es 1993 noch 9000, so blieben 2011 nur 3000 übrig.

3000 Genossenschafter müssen für die Schulden haften

Im Mai dieses Jahres war dann Schluss. Die Konsumgenossenschaft Salzkammergut schlitterte in die Insolvenz. Und im Zuge dieser Insolvenz kommt es nicht nur zu einer Verwertung der Aktiva, sondern auch zur Inanspruchnahme der noch verbliebenen 3000 Genossenschafter. Der Masseverwalter möchte diese nunmehr als genossenschaftliche Eigentümer zur Kasse bitten. Bei der seinerzeitigen Pleite des Konsum Österreich hatte man darauf verzichtet, die 700.000 Genossenschafter ebenfalls insolvenzrechtlich zu belangen.

Jeder Genossenschafter soll 145,35 Euro zahlen

Beim Salzkammergut-Konsum will der Insolvenzverwalter von jedem Genossen exakt 145,35 Euro binnen eines Monats eintreiben, um so die Summe von rund 45.000 Euro für die Konsummasse aufzustellen. Viele Genossenschafter – ein Großteil von ihnen sind Kleinpensionisten – können diese Vorgangsweise jedenfalls nicht verstehen. Der Insolvenzverwalter argumentiert, dass die Genossenschafter jahrelang Bonuspunkte kassiert haben. Zudem hat der Unimarkt Bad Goisern eine Gutscheinaktion ins Leben gerufen, um für die ehemaligen Genossenschafter einen Ausgleich zu schaffen. Ob diese allerdings alle den Weg nach Bad Goisern auf sich nehmen, darf bezweifelt werden.

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