Religionspädagogen fordern mehr Islam in deutschen Kindergärten

21. Dezember 2011 - 0:09

Kita

Für ein friedliches Zusammenleben sei es wichtig, dass die Kinder schon im Vorschulalter verschiedene Kulturen kennenlernen könnten. Deshalb fordern evangelische und katholische Religionspädagogen aus Tübingen (Baden-Württemberg), dass in Deutschlands Kindertagesstätten (Kita) vermehrt muslimische Feste wie das Opferfest oder das Fastenbrechen durchgenommen werden. Neben Geschichten aus der Bibel sollten auch Geschichten aus dem Koran vorgelesen und besprochen werden.

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Deutsche Kindergärten sollen mehr Wert auf multikulturelle Erziehung legen,
fordern katholische und evangelische Religionspädagogen aus Tübingen.
Foto: Michael Panse / flickr

„Interreligiöse Kita-Gruppen sind längst völlig alltäglich. Umso unverständlicher ist es, dass die interreligiöse Bildung kaum eine Rolle spielt“, meint Religionspädagoge Friedrich Schweitzer. Ein Besuch in einer Kirche sei in vielen Kindertagesstätten selbstverständlich. Doch nur sieben Prozent hätten auch einen Moscheebesuch im Programm. Würden Kinder schon im Vorschulalter die Gewohnheiten und Rituale anderer Religionen kennenlernen, sei das ein wichtiger Grundstein für Integration und Toleranz.

„Vor allem Kindergärten in kommunaler Trägerschaft trauen sich an solche Themen aber häufig nicht heran – meist aus Angst, gegen das Gebot der religiösen Neutralität zu verstoßen“, so Schweitzer. Aber auch in evangelischen und katholischen Kindergärten gebe es Vorbehalte, muslimische Feste zu thematisieren. „Auch für christliche Kindergärten gilt, dass jedes achte Kind Moslem ist. Und dann muss man überlegen, wie man deren religiöse Bildung fördert“, betont der Wissenschaftler. Viele der Erzieherinnen seien allerdings gar nicht auf die Aufgaben einer religiösen Bildung vorbereitet. Die Politik müsse deshalb dafür sorgen, dass Erzieherinnen in der Ausbildung und bei Fortbildungen für den interreligiösen Bildungsauftrag sensibilisiert würden.

Die Tübinger Wissenschaftler haben für ihre repräsentative Studie im Auftrag der Stiftung Ravensburger Verlag mehr als 2800 Erzieher an 487 Kindertagesstätten befragt. 77 Prozent hatten in ihrer Gruppe Kinder mit verschiedenen Religionen. 58 Prozent betreuten Kinder, die wegen ihrer Religion bestimmte Lebensmittel nicht essen durften.

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