Kindergarten feiert islamisches Fest mit Imam

25. Dezember 2011 - 9:19

Aschura

Deutsche Religionspädagogen haben vor einiger Zeit gefordert, dass in Kindergärten vermehrt muslimische Veranstaltungen abgehalten werden. Nun scheint es, als wurde dieser fromme Wunsch von Allah erhört. Im unterfränkischen Karlstadt (Bayern) hat sich ein evangelischer Kindergarten entschieden, im Dezember nicht nur christliche Feste zu feiern, sondern auch muslimischen Kindern entgegenzukommen.

Aschura

Aschura

Mit einem muslimischen Geistlichen feierten die Kindergartenkinder im
deutschen Karlstadt gemeinsam den Aschura-Tag.
Symbolfoto: Leonid Mamchenkov / flickr

So lud die kirchliche Bildungseinrichtung St. Johannis am 5. Dezember zur Feier des Aschura-Tags ein. Der besondere Tag wird, so heißt es im Koran, mit einer Suppe für den Propheten Noah gefeiert, der als Retter seiner Familie und vieler Tiere vor der Sintflut dargestellt wird. Der Genuss der reichhaltigen Aschura-Suppe gelte als Zeichen dafür, dass Allah im kommenden Jahr Wohlstand schenken werde. Gebete, die während des Festes gesprochen würden, gingen in Erfüllung.

Die Noah-Geschichte wurde vom evangelischen Pfarrer Paul Häberlein und dem örtlichen Imam Ahmet Kusoglu erzählt, wobei die auf Türkisch gehaltene Ansprache des Geistlichen für die deutschsprachigen Kinder übersetzt wurde. Die Leiterin des Kindergartens, Evi Krempel, nannte das Fest eine „ideale Gelegenheit, die Gemeinsamkeit der Religionen aufzugreifen“. Häberlein verwies darauf, dass die muslimischen Kinder und ihre Eltern auch an christlichen Festen teilnehmen würden, etwa am Martinsumzug und dem vorweihnachtlichen Krippenspiel. Kinder sollten lernen, andere Religionen zu respektieren.

Rund ein Viertel der Kindergartenkinder sind Muslime

Die Idee des Festes war schon im Vorjahr entstanden, als die Mutter eines Kindes eine Schale Aschura-Suppe in den Kindergarten gebracht hatte. Nach Vorgesprächen mit dem Träger des Kindergartens, dem Team und dem Elternbeirat stand das Konzept zur Integration des muslimischen Aschura-Festes in den Jahreskreis des Kindergartens. Derzeit gehören 14 der 52 Kindergartenkinder dem Islam an.

Kritik übte der Vorsitzende der theologisch-konservativen Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB), der Religionspädagoge Andreas Späth. Es habe nichts mit Respekt zu tun, von Christen zu verlangen, Feste anderer Religionen zu begehen. Dies könne nicht Aufgabe einer kirchlichen Bildungseinrichtung sein.

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