Banken pfeifen aus dem letzten Loch: 500 Milliarden aufgenommen

UniCreditWenn auch von den Medien verschwiegen, so wissen Branchenkenner längst: Die Banken befinden sich erneut in einer tiefen Krise, die an die Ausmaße nach der Lehman-Pleite erinnert. Das Misstrauen untereinander ist enorm, man borgt einander kein Geld mehr. Erneut droht eine Kreditklemme. Die Europäische Zentralbank (EZB) griff daher zu einem höchst umstrittenen, aber für die Banken populären Mittel: Sie öffnete gestern die Geldschleusen, stellte den Banken unbegrenzt Liquidität zur Verfügung und das erstmals nicht nur kurzfristig, sondern für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren. Das Geld ist extrem billig, wird zum Leitzins verborgt, der aktuell nur bei 0,75 Prozent liegt.

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Die UniCredit soll bei der EZB groß zugegriffen haben.
Foto: nEmoGruppo / flickr

Die Banken griffen begeistert zu. Fast eine halbe Billion Euro – exakt 489 Milliarden – nahmen sie bereits am ersten Tag in Anspruch. Das übertraf selbst die kühnsten Erwartungen – oder Befürchtungen? – der Analysten, die mit rund 300 Milliarden gerechnet hatten. Besonders gierig auf frisches Geld waren demnach die italienischen Institute, darunter auch die Mutter der Bank Austria, die UniCredit.

Österreich Großbanken erklärten im Vorfeld, die Unterstützung der EZB nicht zu benötigen. „Wir nehmen derzeit nichts auf, weil kein Bedarf besteht. Der Zugang zu Interbankenmitteln ist intakt, wenn auch leicht eingeschränkt“, hieß es von der Raiffeisen Bank International. Auch bei der Erste Group wies man darauf hin, dass die Refinanzierung im Konzern gut laufe, vor allem auf Grund der hohen Einlagen, aber auch über Anleihen. Unabhängig davon, ob die österreichischen Institute nun auch zugegriffen haben oder nicht: Der Ansturm auf das EZB-Geld zeigt eindeutig, dass die europäische Bankenlandschaft insgesamt aus dem letzten Loch pfeift.

Enormer Refinanzierungsbedarf bis 2014

Dass die EZB den Banken nicht nur über Nacht, sondern auf drei Jahre Geld zur Verfügung stellt, hat folgenden Hintergrund: In den nächsten Jahren haben viele Institute einen enormen Refinanzierungsbedarf. Bis Ende 2014, so rechnete kürzlich die Bank für internationalen Zahlungsaugleich (BIZ) – sozusagen die „Zentralbank der Zentralbanken“ –  vor, werden Bankverbindlichkeiten im Ausmaß von rund 2000 Milliarden oder zwei Billionen Euro fällig. Etwa 13 Prozent davon sind staatlich garantierte Schulden, die den Banken im Rahmen der Rettungspakete 2009 zuflossen. Diese Schulden zu vernünftigen Konditionen zu refinanzieren, könnte sich als schwierig erweisen, warnte die BIZ.

Banken sollen schwache Staaten stützen

In der Zwischenzeit könnten die Banken, so erwarten Experten, den Geldsegen auch anderweitig einsetzen, die EZB hofft sogar zum Teil darauf: nämlich zum Kauf von Staatsanleihen jener Länder, die aktuell sehr hohe Zinsen zu zahlen haben. Dadurch würden einerseits die von Italien oder Spanien zu bezahlenden Zinsen wieder sinken, andererseits wäre die EZB nicht mehr der fast alleinige Käufer dieser Papiere am Sekundärmarkt. „Nun braucht die EZB keine Staatsanleihen mehr zu kaufen, man braucht auch keine Euro-Bonds. Denn die Banken sollen nun die Schrottpapiere aufkaufen“, analysieren die Deutschen Mittelstands-Nachrichten. Die Gefahr dabei ist freilich, dass der Spardruck auf die hoch verschuldeten Staaten sinkt. Das Problem der drohenden Staatspleiten wird somit ein wenig in die Zukunft verschoben, könnte dann aber in noch größerem Ausmaß zurückkommen.

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