Niederlande: Schächtverbot steht vor dem Aus

30. Dezember 2011 - 20:37

Huhn

Schlachten ohne Betäubung wird in den Niederlanden in Ausübung religiöser Speiserituale weiterhin erlaubt sein. Das im Juni von einer breiten Mehrheit der Zweiten Kammer beschlossene allgemeine Verbot, Tiere unbetäubt auf rituelle Weise zu schlachten, dürfte am 17. Jänner vom Senat in Den Haag abgelehnt werden.

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In Holland wird staatlich legitimierte Tierquälerei nicht verboten. Schlachten
ohne Betäubung ist in Ausübung religiöser Speiserituale weiterhin erlaubt.
Foto: gsz / flickr

Rund 50 der 75 Senatoren der Ersten Kammer haben sich in einer Nachtsitzung vom 13. auf den 14. Dezember negativ zum Schächtungsverbot geäußert, weil es die Religionsfreiheit massiv einschränken würde. Auch Vertreter der größeren Parteien, die sich ursprünglich der Initiative der Tierschutzpartei „Partei für die Tiere“ (PvdD) angeschlossen hatten – etwa Sozialdemokraten und Grüne – sprachen im Senat gegen das Gesetz. Die beiden Parteien haben die größte Wählerschaft innerhalb der Migranten und schwankten schon bisher zwischen Tierschutz und Religionsfreiheit.

Dabei zeigte sich die Tierschutzpartei aufgrund des heftigen Widerstandes von Juden und Moslems, die ihre verfassungsmäßig verankerten religiösen Rechte verletzt sahen, durchaus kompromissbereit. Sie änderte die Vorlage dahingehend ab, dass Schächten nicht generell verboten werden solle, sondern dass die Tiere zuvor betäubt werden müssen. Aber auch dieser Kompromiss wurde von den Religiösen abgelehnt und das Gesetz insgesamt als „populistisch“ hingestellt. Damit werden die Niederlande allem Anschein nach keine europaweite Vorreiterrolle in Sachen tierschutzgerechtes Schlachten einnehmen.

Rituelle Schlachtungen künftig von Tierärzten überwacht

Ein paar Veränderungen werden dennoch kommen. Der Staatssekretär für Landwirtschaft und Umwelt, Henk Bleker, in dessen Kompetenz, die Tierschlachtung fällt, machte den Kompromissvorschlag, Regeln zu erlassen, die das Leiden des Tieres bei der Schächtung auf ein Minimum beschränken. Diese könnten sich sowohl auf die Zahl der Tiere, die geschächtet werden sollen, als auch auf das Qualitätsniveau des Schlachtbetriebes erstrecken. Tierärzte sollen künftig jede rituelle Schlachtung überwachen. Außerdem wolle man sicherstellen, dass die Metzger eine fundierte Ausbildung erhalten. Der Senat bat den Staatssekretär, seine Pläne in schriftlicher Form vorzulegen.

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