Genossenschaften scheitern mit Einkaufszentrum

Gasometer Wenn sich gemeinnützige Wohnbaugesellschaften als Shopping-Betreiber versuchen, kann das ganz schön in die Hose gehen. Die Gesiba und die WBV-GPA sind Eigentümer des Einkaufszentrums im Gasometer und stehen in der Kritik des Rechnungshofes: Durch leerstehende Flächen, fehlende schriftliche Verträge und unausgeglichenen Cashflow sei der Betrieb in wirtschaftliche Turbulenzen geraten.

Gasometer

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Zwei gemeinnützige Genossenschaften sind Eigentümer des
Einkaufszentrums Gasometer, das in wirtschaftliche Turbulenzen geriet.
Foto: twicepix / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Analyse des Rechnungshofes sagt alles: „Das angestrebte Ziel, durch Zusatzgeschäfte (also durch die Errichtung und Vermietung des Einkaufszentrums, Anm.) das Eigenkapital zugunsten des sozialen Wohnbaus zu erhöhen, wurde nicht erreicht.“  Gravierende Probleme stellten die Prüfer bei den Betriebskosten fest. Die Gasometer Shopping- und Entertainment Center Vermietungs GmbH (GSE) habe mit einigen Nutzern Betriebskosten vereinbart, die teilweise erheblich unter den tatsächlichen Betriebskosten liegen würden. Allein daraus hätte sich ein jährlicher Fehlbetrag von rund 214.000 Euro ergeben. In der Tageszeitung Die Presse wird angemerkt, dass dadurch allein der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Gesiba, die eine der beiden Eigentümerinnen des Einkaufszentrums ist, nicht weniger als 4,45 Millionen Euro an Zinsen entgangen wären.

Petition Leistbares Wohnen im gemeinnützigen Wohnbau

Es ist nicht üblich, dass Wohnbaugenossenschaften Shopping-Center betreiben. Die Gesiba und die WBV-GPA holten sich dafür eine Erlaubnis von der Wiener Stadtregierung, die damit ihre Zustimmung gab, mit Geldern der Mieter spekulative Geschäfte einzugehen. Mit diesem Schritt haben die beiden Genossenschaften endgültig das Prinzip der Gemeinnützigkeit verlassen, um bei Geschäften, von denen sie offenbar nichts verstehen, Millionen-Verluste auf Kosten ihrer eigentlichen Klientel einzufahren. Diese Mieter zahlen ohnehin schon zu viel Nutzungsentgelt, wie zum Beispiel im Wiener Wohnpark Alt Erlaa, wo die Bewohner auch nach Ablauf der Annuitätenzahlungen zur Kasse gebeten werden. Jetzt, nachdem der Rechnungshof den Gasometer unter die Lupe nahm, wissen die Mieter in den Gesiba- und WBV-GPA-Häusern wenigstens, wofür sie mehr als eigentlich notwendig zahlen müssen.

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