Killer-Käse massenhaft an Bedürftige verkauft

Theresia Dimm ist eine 50jährige Invalidenrentnerin aus Gerersdorf bei St. Pölten. Ende Oktober oder Anfang November hat sie im Sozialmarkt 10 Packungen "Bauern-Quargel" von der Hartberger Firma Prolactal gekauft – genau jene Sorten, die später zurückgerufen wurden und die für den Tod von mittlerweile acht Menschen verantwortlich sind. Plötzlich, schildert Frau Dimm, tauchte der Käse massenhaft im Sozialmarkt auf – und war sogar noch einige Zeit haltbar, obwohl sonst dort fast nur abgelaufene Ware verkauft oder verschenkt wird.

BildFrau Dimm aß ein Stück Quargel und verstaute den Rest im Gefrierschrank – ihr Glück, wie sich später herausstellte, denn wie heute bekannt ist, war der Käse schon seit Sommer 2009 immer wieder mit den tödlichen Listerien verseucht. Als dann Mitte Februar die Sache über Umwege an Licht kam (Unzensuriert.at hat berichtet), erinnerte sich Frau Dimm an das überraschende Riesenangebot im Sozialmarkt – und ging der Sache nach.

Sie erkundigte sich im Gesundheitsministerium und beim Land Niederösterreich. Nirgends nahm man sie besonders ernst. Als sie den Beamtem von Minister Stöger lästig wurde, hieß es dann: "Seien Sie doch nicht so hysterisch!". Parallel schickte Frau Dimm eine Probe an ein ihr bekanntes Labor, das den Käse an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weiter. Dort gab man ihr die Auskunft, eine Untersuchung sei nicht mehr möglich, weil die Kühlkette unterbrochen wurde.

Einzig die St. Pöltner Staatsanwaltschaft bemühte sich wenigstens zu helfen und empfahl Frau Dimm, den gesamten Inhalt ihres Gefrierschranks sicherheitshalber zu entsorgen. Das tat sie und erstattete gleichzeitig Anzeige beim Polizeiposten Prinzersdorf.

Die Zeitung "Heute" berichtet groß über den unglaublichen Fall, der erneut und noch viel stärker als bisher die Frage aufwirft, ab wann Minister Stöger von der Angelegenheit informiert war. Frau Dimm ist sicher, dass er schon lange davon weiß. Im Unzensuriert-Interview findet sie harte Worte: "Ihm ist sein Gehalt wichtig, aber kein Mensch."

Das ganze Interview mit Theresia Dimm hier im MP3-Format

Bekannt gemacht hat den Fall FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein. An sie hat sich Frau Dimm gewendet, nachdem weder das Ministerium noch das Land Niederösterreich ein offenes Ohr für sie hatten. Für Belakowitsch-Jenewein ist es blanker Zynismus, den lebensgefährlichen Käse bei den Ärmsten der Armen abzuladen, die auf das Angebot der Sozialmärkte angewiesen sind.

Die Frage, die es nun zu klären gelte, sei: Wer hat den Käse an den Sozialmarkt geliefert: eine Handelskette oder gar die Erzeugerfirma selbst? In beiden Fällen liegt der Verdacht nahe, dass der Lieferant wusste, dass der Käse verdorben ist. Warum sonst sollten große Mengen innerhalb der Haltbarkeitsdauer abgegeben worden sein?

Empörend sei auch, dass der Minister jetzt all jene Menschen im Regen stehen lasse, die von dem kontaminierten Käse gegessen haben. "Es gibt keinerlei Information. Sollen sich diese Leute an den Arzt ihres Vertrauens wenden? Sollen sie in ein Labor gehen? Im Gegenteil, man sagt ihnen, sie sollen nicht hysterisch werden. Das ist der nächste Skandal nach dem Informationsskandal", kritisiert Belakowitsch-Jenewein.

Die FPÖ-Gesundheitssprecherin im Interview

Über die strafrechtlichen Konsequenzen des ministeriellen Versagens hätten nun Gerichte zu entscheiden, die politische Konsequenz könne nur Stögers Rücktritt sein, denn: "Er setzt die Gesundheit der Menschen aufs Spiel."

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